Die Priesterin
Ich fühle mich hier zu Hause«, sagt Mala Jeyakumar und deutet auf die farbigen Götterfiguren im Hindutempel im Haus der Religionen in Bern. Im Zentrum des Raumes steht Shiva, rechts von ihm die Göttin Parvati. In der ungeheuren Vielfalt an Formen und Farben lassen sich auch Ganesha, der Gott mit dem Elefantenkopf, die Planetengöttin und ein Affengott ausmachen. »Jede Figur erzählt eine Geschichte«, sagt Jeyakumar. Die lebhafte Frau, die ihre Heimat Sri Lanka vor 30 Jahren verlassen hat und schliesslich in Ostermundigen gelandet ist, ist eine der vier ersten Hindu-Priesterinnen in der Schweiz. Sie wird zukünftig Rituale im Tempel sowie bei Gläubigen zu Hause durchführen. Dabei trägt Jeyakumar einen Sari. Auf die Nasenwurzel hat sie einen roten Punkt gemalt. Er symbolisiert das dritte Auge Shivas – die Gottheit kann in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft sehen. Auch Spuren gräulicher Asche haften auf Jeyakumars Stirn – als Erinnerung daran, dass sie wie alle Menschen eines Tages sterben wird.
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