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Alkohol, Alkoholiker, Christoph Peters, alkoholabhängig, EntzugLesetipp: »Entzug« von Christoph Peters
Das Zittern des Alkoholikers

Abends knisterte er laut mit der Chipstüte, um dabei unbemerkt aus der Grappaflasche zu trinken. In seiner autofiktionalen Erzählung »Entzug« schreibt Christoph Peters von den Verstecken seiner Wodkaflaschen und was ihn schließlich den Entzug machen ließ.
von Eva-Maria Lerch vom 15.04.2026
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Christoph Peters heroisiert den Alkoholismus nicht, sondern schildert ihn in all seiner Banalität – literarisch überzeugend!
Christoph Peters heroisiert den Alkoholismus nicht, sondern schildert ihn in all seiner Banalität – literarisch überzeugend!

Autofiktion. Eine Wodkaflasche liegt hinter den Büchern über Islamismus und Osama bin Laden, eine weitere im Philosophie-Regal, direkt hinter der »Summa Theologica« von Thomas von Aquin. So versteckt der Autor seinen Alkoholverbrauch vor seiner Frau. Wenn sie abends zusammen vor dem Fernseher sitzen, geht er rasch in die Küche und knistert so laut mit der Chipstüte, dass sie nicht hört, wie er schnell noch ein paar Schlucke Grappa aus dem Kühlschrank hinunterkippt. Danach schläft er laut schnarchend, wie steinern bewusstlos auf dem Sofa neben ihr ein; und sie schickt ihn angewidert ins Bett.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 7/2026 vom 17.04.2026, Seite 55
Der Gau
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Damit Tschernobyl sich nicht wiederholt

Über Alkoholismus hat man schon viel gehört und gelesen – aber noch nie in solch bitterer Banalität wie in diesem autofiktionalen Roman von Christoph Peters. Indem er das Leben des Süchtigen nicht von außen, sondern aus eigenem Erleben, im Präsens des Ich-Erzählers beschreibt, holt er die Lesenden in seinen schwankenden Körper und seine vernebelten Gedanken mit hinein, lässt sie teilhaben an seinem morgendlichen Zittern, dem Selbstbetrug, dass ein Dichter nun mal Alkohol braucht, um in geistige Dimensionen vorzustoßen, seiner wachsenden Verzweiflung und Scham. Als er gegenüber seiner Frau bekennt: »Ich bin Alkoholiker. Ich brauche einen Entzug«, wirkt das wie eine erlösende Kapitulation. Auch der zweiwöchige Aufenthalt in einer Berliner Entzugsklinik wird im Körper des Autors mit allen Tiefen und Absonderlichkeiten erlebbar – einschließlich der Zumutungen durch die komplexen Persönlichkeiten der Mitpatienten und den leicht sadistischen Anwandlungen der einen oder anderen Krankenschwester.

Wer den preisgekrönten Romanschriftsteller Christoph Peters heute im Foto auf dem Buchumschlag oder live bei einer seiner Lesungen sieht, kann ihn kaum zusammenbringen mit seinem Ich-Erzähler: dem heruntergekommenen Typen mit dem aufgedunsenen Gesicht, den andere und auch er selbst beim Blick in den Spiegel als »Penner« wahrnehmen. »Entzug« entlarvt den Mythos des trinkenden Genies und zeichnet den brutal befreienden Weg in die Abstinenz nach – ein packendes Stück Literatur.

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