Zur mobilen Webseite zurückkehren

Die Wehklage, so unmittelbar

Leonid Lewin gestaltet Orte der Erinnerung an die Opfer der deutschen Besatzung in Weißrussland
von Irene Dänzer-Vanotti vom 09.04.2010
Artikel vorlesen lassen

1147 Leonid Lewin hat aus den Papiergebirgen auf seinem Schreibtisch ein Blatt gefischt und zeichnet die Zahl 1147. Noch einmal zieht er mit einem Bleistift die Striche nach. 1147 Juden aus mehreren Dörfern in der Hügellandschaft von Weißrussland haben die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg zusammengetrieben und erschossen. 1147 Steine hat der Architekt und Bildhauer Leonid Lewin von den Menschen, die heute in den Dörfern leben, zusammentragen lassen. Wie ein Fluss, wie ein Menschenstrom, zum Tal hin breiter werdend, liegen die Steine bei dem Dorf Gorodoje. Oben auf den Hügel hat Lewin drei Fensterrahmen gesetzt, ein wenig verschoben, als wären sie vom Wind zerzaust. Wie die Betrachter heute durch diese Rahmen schauen und die zarte Landschaft sehen, haben die Bewohner zum letzten Mal auf diese Gegend geschaut, die ihre Heimat war. Eine Gedenkstätte als Landschaftskunst.

  Gedruckt + Digital  
  Digital  

Hören Sie diesen Artikel weiter mit P F plus:

4 Wochen freier Zugang zu allen P F plus Artikeln inklusive ihh Payper.

Jetzt für 1,00 Euro testen!

Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0