Pro und Contra
Soll man Katar die WM wegnehmen?
Ja, denn in Katar herrscht moderne Sklaverei
Die Diskussion über die WM 2022 läuft in die falsche Richtung: Statt darüber zu sprechen, die Spiele in den Winter zu verlegen, sollten wir sie in ein anderes Land verlegen. In Katar werden Menschenrechte mit Füßen getreten: Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird eingeschränkt, Frauen werden diskriminiert, und viele Wanderarbeiter sind beim Bau der Stadien schon ums Leben gekommen. Die Arbeiter müssen in winzigen Unterkünften hausen, ihnen werden die Pässe entzogen, und für ihre Arbeit erhalten sie einen Hungerlohn. Das ist für mich nichts anderes als eine Form der modernen Sklaverei. Das dürfen wir nicht zulassen! Durch den Druck der Öffentlichkeit mögen sich die Arbeitsbedingungen zwar verbessert haben, aber sie sind immer noch miserabel, wie Berichte von Menschenrechtsorganisationen belegen. Die WM hätte nie nach Katar vergeben werden dürfen, aber da das geschehen ist, müssen wir jetzt handeln. Ich erwarte und fordere eine neuerliche Diskussion um die Spielplanverlegung. Dazu müssten sich starke Ligen in Europa zusammentun. Länder wie Spanien, England und Deutschland sollten die Verlegung in ein anderes Land vorantreiben – den Menschenrechten und dem Sport zuliebe. Denn bei einer Fußball-Weltmeisterschaft darf es nicht nur ums Geld gehen. Und bei der Debatte über Katar nicht nur um Fußball: Katar gehörte 2013 zu den Hauptempfängerländern deutscher Rüstungsgüter. Auch das sollten wir nicht vergessen. Zugegeben: Sehr wahrscheinlich ist eine Verlegung der Spiele nicht. Wenn es doch bei Katar bleibt, müssen wir eines unbedingt tun: die WM durch eine Kampagne zur Menschenrechtsfrage und den Waffenlieferungen intensiv begleiten, damit Bewusstsein geschaffen wird – zumindest für die Zukunft.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
Renke Brahms, geboren 1956, ist evangelischer Theologe, Pastor in Bremen und seit 2008 Friedensbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland.
Paul-Anton-Krüger, geboren 1977, ist Redakteur der Süddeutschen Zeitung. Zurzeit arbeitet er von Kairo aus als Auslandskorrespondent für die arabische Welt und Iran.
