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Lehmanns Ruf, Lehmanns Handeln

Mainzer Missbrauchsstudie belastet verstorbenen Kardinal schwer
vom 10.03.2023
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Kardinal Lehmann war jahrzehntelang die Galionsfigur des liberal-aufgeklärten Katholizismus in Deutschland, ein geschätzter Gesprächspartner der Politik, ein belesener Intellektueller und gleichzeitig ein ebenso volksnaher wie beliebter Bischof. Aber er war auch ein Vertuscher von sexuellem Missbrauch durch Geistliche. Bis in die Schlussphase seiner 23-jährigen Amtszeit hat er das Thema nicht ernstgenommen, das Leid der Opfer weitgehend ignoriert und selbst die kircheneigenen Richtlinien im Umgang mit Tätern und Verdächtigen unterlaufen. Zu diesem Ergebnis kommt ein unabhängiges Gutachten der Kanzlei Ulrich Weber, das am 3. März in Mainz vorgestellt wurde. Darin heißt es: »Insgesamt ist bei Bischof Lehmann ein erheblicher Gegensatz zwischen öffentlich-medialem Auftreten und persönlichen Einstellungen und Handlungen zu erkennen. Seinen mit eigenen Worten formulierten Anspruch für den Umgang mit sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche und im Bistum Mainz hat er selbst zu keiner Zeit erfüllt.« Lehmann hatte in mehreren Interviews und Beiträgen das Ausmaß verharmlost, obwohl er stets informiert war. Dem Spiegel sagte er im Jahr 2002 mit Blick auf Missbrauchsfälle in Boston: »Warum soll ich mir den Schuh der Amerikaner anziehen, wenn er mir nicht passt?« Er sprach von »vielleicht drei oder vier Fällen« in seiner Amtszeit. Tatsächlich kann die Studie zeigen, dass sich das Bistum seit Lehmanns Amtsbeginn bis zum Zeitpunkt des Interviews mit 45 Beschuldigten befasst hat. Lehmann sei informiert gewesen, habe aber kein Interesse an den Betroffenen gezeigt.

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