Eine spirituelle Relativitätstheorie
Der Glaube an den einen Gott, wie ihn Juden, Christen und Muslime bekennen, ist nicht der Glaube an einen Gott, der übrig geblieben ist, als sich das Gewimmel der heidnischen Götter auflöste. Insofern ist das Wort Monotheismus als Gegenbegriff zum Polytheismus irreführend. Den abrahamitischen Religionen geht es nicht nur quantitativ um einen Gott, sondern qualitativ um die Einzigartigkeit Gottes. Von ihm kann sich der Mensch kein Bild machen. Aber der Mensch selbst kann Abbild Gottes werden, wenn er sich in seinem Handeln ganz an Gott ausrichtet. Christen und Christinnen glauben, dass Gott ihnen in Jesus Christus selbst ein solches Abbild geschenkt hat. Doch darauf nimmt das »Prinzip und Fundament«, das Ignatius von Loyola (1492-1556) seinen geistlichen Übungen voranstellt, nicht einmal Bezug. Er beschreibt nur die Handlungsanweisung, die aus dem Glauben an den einen Gott folgt, ganz ähnlich, wie dies auch fromme Juden und Muslime immer wieder getan haben.
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Christian M. Rutishauser, geboren 1965, Jesuit und Judaist, lebt und arbeitet in München.
