Angststörungen
Der Wurm namens Angst
Es ist wie ein Wurm, der sich in den Gedärmen eingenistet hat – so beschreibt Stefan seine Angststörung. »Als wenn in meinem Körper etwas Fremdes ist, das nicht zu mir gehört«, sagt er. »Du kannst es nicht loswerden, egal, wie sehr du dagegen ankämpfst.« Stefan ist 54 Jahre alt. Angst und Panik begleiten ihn schon 25 Jahre, knapp die Hälfte seines Lebens. Sie gehören zu Stefans Leben dazu wie für andere das Zähneputzen. Auch jetzt, wo er darüber spricht, spürt man sie an ihm: Ein dünner Schweißfilm liegt auf seiner Stirn, die Körperhaltung ist angespannt und wie in Alarmbereitschaft, sein Blick huscht zu jedem Geräusch. Und die Hände kneten einander nervös, ohne stillzuhalten. Obwohl es ihn in Stress versetzt, hat Stefan sich bereit erklärt, darüber zu sprechen: Weil er aufklären will über diese Krankheit und weil er seine Angst und Anspannung in diesem Gespräch nicht verstecken muss. Darüber sprechen kann Stefan allerdings nicht in einem vollen Café in der Innenstadt, sondern nur im Außenbereich eines abgeschiedenen McDonald’s – einem Ort, an dem das Stimmengewirr nicht so laut, die Blicke der fremden Menschen nicht so zahlreich sind, ein Ort, an dem er jederzeit »austreten könnte«.
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