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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2020
Der Statthalter
Die Macht des Rainer Maria Woelki
Der Inhalt:

»Gefängnisse taugen nichts, sie schaden«

von Barbara Tambour vom 19.10.2020
Warum die Haft Menschen nicht besser, sondern schlechter macht, Resozialisierung nicht gelingen kann – und welche Alternativen es zum Knast gibt. Fragen an den früheren Gefängnisleiter Thomas Galli.
Thomas Galli vor der Justizvollzugsanstalt Dresden (Foto: Doering)
Thomas Galli vor der Justizvollzugsanstalt Dresden (Foto: Doering)

Publik-Forum: Was nützen Gefängnisse?

Thomas Galli: Gefängnisse sollen nach allgemeiner Auffassung unsere Sicherheit vergrößern und für Gerechtigkeit sorgen. Doch dazu taugen sie unterm Strich nicht, sie schaden sogar.

Wem schaden sie?

Galli: Bei sehr vielen Inhaftierten richten sie Schaden an. Nach der Haft haben sie große Schwierigkeiten, in der Freiheit wieder auf die Beine zu kommen, einen Arbeitsplatz zu finden, in die Gesellschaft integriert zu werden. Die Inhaftierung schadet auch den Angehörigen – Eltern, Kindern, Partnerin, Partner, obgleich sie völlig schuldlos daran sind. 100 000 Kinder sind in Deutschland derzeit von der Inhaftierung eines Elternteils betroffen. Das Gefängnis richtet auch gesamtgesellschaftlich unterm Strich Schaden an.

Wie?

Galli: Es erhöht bei der Mehrheit der Inhaftierten die Wahrscheinlichkeit, dass sie wieder kriminell werden. Der größte Schaden entsteht dadurch, dass viel zu sehr auf die Wirkung der Gefängnisstrafen vertraut wird. Viele meinen, durch Haftstrafen könne man Gewalt und Kriminalität reduzieren, was nicht so ist. Deshalb wird zu wenig über präventive und langfristige Wege nachgedacht, über Alternativen zur Haft.

Ist der Strafvollzug heute nicht auf Resozialisierung ausgerichtet?

Galli: Resozialisierung ist das große Schlagwort. Es ist gut, dass man vom reinen Wegsperren abgekommen ist, dass Lehrer und Therapeuten in Gefängnissen eingestellt wurden. Unterricht und Therapie können die schädlichen Einflüsse, die mit dem Gefängnis verbund

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