Leserbrief
Wagners Wahn
Der Hinweis, dass es sich beim Gral um, banal gesagt, eine »Nahrungsbeschaffungsquelle« handelt, ist nicht richtig. In den Quellen (Wolfram von Eschenbach, Christian de Troyes et cetera), die Wagner verwendet hat, wird gesagt, dass der Gral den Rittern die Kraft verleiht, in der Welt für »das Gute« zu kämpfen. Was immer man auch darunter verstehen mag. Zum Antisemitismus: Wir werden wohl damit leben müssen, dass Wagner eine grandiose Musik geschrieben hat und zugleich durch seine Äußerungen die grauenhaftesten Verbrechen mit verschuldet hat, derer sich die Menschheit schuldig gemacht hat. Ich habe als Musikpädagoge, wenn ich meinen Schülern von Wagner erzählt habe, immer auch auf Auschwitz hingewiesen. Auch Wagners Misogynie ist leider nicht zu leugnen. Fritz Altrichter, A-Bad Ischl
Denken wir an den »Verzicht« deutscher Orchester, nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine den russischen Komponisten Tschaikowsky zur Aufführung zu bringen. Wo bleibt der Aufschrei, wenn der Bundeskanzler – wie alle seine Vorgänger – nach Bayreuth pilgert, um dem Lieblingskomponisten Adolf Hitlers seine Aufwartung zu machen? Antisemitismus muss man bei Richard Wagner nicht lange suchen. Ihn deswegen nicht aufzuführen wie Tschaikowsky, wird nicht einmal ansatzweise diskutiert. Im Gegenteil: Anders als sehr viele andere Kulturveranstaltungen, die zum Teil massiv gekürzt werden, wird gerade die Förderung der Bayreuther Festspiele massiv ausgeweitet. Heißt das: Hitler ist besser als Putin? Henning Kaufmann, Frankfurt

