Leserbrief
Christen in der Wüste
Der Beitrag macht mich doch etwas ratlos, geht es darin doch ausschließlich um »mich selber« und meine Beziehung zu einem Gott. Aber hat das etwas mit dem Christentum zu tun? Mit demjenigen, auf den sich dieses Christentum beruft , mit Jesus von Nazaret hat das jedenfalls nicht das Geringste zu tun. Der Nazarener hat keinen Gott gelehrt, sondern das verkündet, was er das Reich Gottes genannt hat. Und das Reich Gottes wird am besten verwirklicht, ja, es ist sogar die einzige Art, es zu verwirklichen, indem man sich an die prägnant formulierte, herausfordernde Erzählung bei Matthäus hält: »Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und dich besucht?« (Mt 25,37-39) Und das Besondere daran ist, dass dieses Reich Gottes noch nicht einmal einen Gott braucht, und wenn, dann ist er nur in den Mitmenschen zu finden und nicht allein in der Wüste. Manfred Flerus, Königswinter

