Essay
Einer für alle
Für den modernen Menschen scheint es heute nicht viel Wichtigeres zu geben, als sein eigenes Selbst zu finden, es zu verwirklichen und auszudrücken, zu behaupten und zu optimieren. Dieses Selbst aber befreit und entfaltet sich nicht einfach glücksvoll. Es macht sich immer stärker bemerkbar, will sich mitteilen und wahrgenommen sein. Der Drang nach Aufmerksamkeit äußert sich in einem nie da gewesenen Zurschaustellen persönlicher Eigenart im öffentlichen Raum. Es geht um die Performance des eigenen Lebensstils, um die Kultivierung von Alleinstellungsmerkmalen, präsentiert in den sozialen Medien, wo Aufmerksamkeit und Resonanz sich messen lassen in Klicks, Likes und neuen Followern.
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Martin Hecht ist Schriftsteller und Essayist. Zuletzt erschien sein Buch »Die Einsamkeit des modernen Menschen. Wie das radikale Ich unsere Demokratie bedroht« (Dietz)

