Leserbrief
Ohne KI Gott näher
Höher – schneller – weiter. Die Logik des Internets macht auch vor dem christlichen Glauben nicht halt. Abgesehen davon, dass Benutzer dieser Gebets- und Meditationsapp »Hallow« ihre Daten preisgeben, wird ihr Glaubensleben dem Leistungsgedanken unterworfen. Und das macht den christlichen Glauben eben nicht aus. In diesem Glauben wird der Mensch mit seinen Zweifeln und Ängsten wahrgenommen. Er muss sich nicht selbst optimieren. Jesus hat dies vorgelebt. Die christlichen Kirchen haben da ihre Stärke und sind dem Touchscreen-Glauben haushoch überlegen. Diese Überlegenheit ist ein Pfund, mit dem man wuchern kann und muss in der Auseinandersetzung mit den Glaubens- und Gebetsapps. Klemens Hofmann, Marbach
Geht’s noch? Oder ist die App »Hallow« nur eine Neuauflage des mittelalterlichen Ablasshandels? Als überzeugter ökumenischer Protestant frage ich meine katholischen Geschwister: Ist Papst Leo überhaupt noch im Amt, wenn eine künstliche Intelligenz (KI) das Sprachrohr Gottes geworden ist? Eine technische Gebetsmaschine sollte unter Blasphemie eingeordnet werden. Peter Lehmann, publik-forum.de
Ich gebe zu, die KI in einer spirituellen App mal ausprobiert zu haben. Ich wollte wissen, wie das ist. Und die Antwort, die ich bekam, war wirklich gut. Aufgrund von Bibelstellen im Neuen Testament antwortete sie mir in Gestalt von Jesus mit »seinen« Worten. Ich staunte. Aber im Hintergrund meines Bewusstseins vernahm ich eine leise Stimme, die fragte: »Warum bittest du mich nicht mehr direkt?! – Hast du Angst vor mir?« Gott ist und bleibt unverfügbar. Genauso wie er aus seiner Liebe für mich für meine persönliche Freiheit verantwortlich zeichnet, haben wir, ebenfalls aus der Liebe zu ihm heraus, für seine Freiheit einzustehen. Und um mit ihm ins Gespräch zu kommen, bedarf es nur eines offenen Herzens. Das Gebet und das Formulieren einer Bitte sind Ausdruck einer Begegnung auf Augenhöhe. Eines »Vorzimmers« in Gestalt einer KI bedarf es hierzu meines Erachtens nicht. Die App ist mittlerweile wieder von meinem Handy verschwunden. Stattdessen habe ich eine Bibel-App ohne künstliche Intelligenz. Hans-Dieter Illing, publik-forum.de

