Wie Putins Propaganda in Flammen aufgeht
Der russische Drohnenangriff, der die Mariä-Entschlafens-Kathedrale in Kiew, eines der größten Heiligtümer der Orthodoxie, in Brand setzte, hat nicht nur Gläubige erschüttert. Er hat auch die russische Rechtfertigung des Krieges, den Patriarch Kyrill als »heilig« bezeichnet, ad absurdum geführt. Putin wie Kyrill berufen sich auf die Taufe der Kiewer Rus im Jahr 988 als Gründungsakt einer tausendjährigen russischen Geschichte. Sie behaupten, die Ukrainer seien kein eigenes Volk, sondern ein russisches Brudervolk, das – vom Westen manipuliert, von Nazis regiert –, »heimgeholt« werden müsse, notfalls mit Gewalt.
Der Drohnenangriff auf die »Lawra« widerlegt die angeblich hehre Gesinnung der Kriegführenden, nur eine »Familienzusammenführung« zu wollen. Der ukrainische Autor Sergej Maidukov kommentiert den Angriff in der Süddeutschen Zeitung: »Der selbsternannte ältere Bruder hat nun die Wiege in Brand gesetzt, von der er selbst abzustammen behauptet […] Der Rauch über der Lawra wird sich verziehen. Die Ikonen, die die Mönche aus den Flammen trugen, werden auf ihre Plätze zurückkehren – unter goldenen Kuppeln, die eines Tages wieder im Sonnenlicht glänzen werden. Was sich nicht wiederaufbauen lässt, ist die Geschichte, die Russland von sich selbst erzählt – die Geschichte, in der es der Hüter des Glaubens, der Erbe des Kiewer Rus und der Wächter einer heiligen Zivilisation ist.«

