Zur mobilen Webseite zurückkehren

Dammbruch in Brasilien
Die brasilianische Katastrophe und die Verantwortung des TÜV Süd

Dem Strafprozess um die Katastrophe von Brumadinho droht die Verjährungsfrist.
vom 10.06.2026
Artikel vorlesen lassen
Am Tag der Katastrophe: Der Erdrutsch in Brumadinho kostete 272 Menschen das Leben.
Am Tag der Katastrophe: Der Erdrutsch in Brumadinho kostete 272 Menschen das Leben.

Die Bilder gingen um die Welt. 2019 brach ein 80 Meter hoher Rückhaltedamm in der brasilianischen Eisenerzmine Brumadinho. In den Schlammfluten starben 272 Menschen, der Fluss Paraopeba wurde verseucht, viele Anwohner verloren Hab und Gut. Besonders skandalös: Der Damm hatte noch kurz zuvor ein Unbedenklichkeitssiegel erhalten: von einer Tochterfirma des TÜV Süd in München.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 11/2026 vom 12.06.2026, Seite 40
Happy Birthday, USA!
Happy Birthday, USA!
Was ist übrig von dem Versprechen, das sich das Land vor 250 Jahren gab?

Die Bilder und das Schicksal der Betroffenen sind aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, und erst sieben Jahre nach der Katastrophe wurde jetzt in Brasilien ein Strafprozess eröffnet. Die Familien der Opfer befürchten, dass die Zeit davonläuft und sich die beteiligten Unternehmen, insbesondere der Manager des TÜV Süd aus ihrer Verantwortung stehlen könnten. Der Vorwurf richtet sich auch an die deutsche Justiz, denn spätestens 2029 werden die Vorwürfe verjährt sein. Vom TÜV haben die Betroffenen keinen Cent bekommen – nur Worte des Bedauerns.

Monika König vom Hilfswerk Misereor verfolgt in München die Anhörungen für einen Zivilprozess auf deutschem Boden. Zusammen mit dem brasilianischen Anwalt Felipe Bley-Fol hält sie die Beweislast gegen den TÜV-Manager für »erdrückend«. Letztlich gehe es auch darum, wie internationale Konzerne ihre Sorgfaltspflichten im Ausland wahrnähmen. »Wenn das in Deutschland passiert wäre und ein ausländisches Prüfunternehmen ein falsches Zertifikat erteilt hätte – dann wäre die Hölle los.« Dazu komme, dass in der brasilianischen Minenregion Gerais für mehr als 40 Dämme Sicherheitswarnungen vorlägen. Drei von ihnen fielen in die höchste Warnstufe. Eine solche Katastrophe »kann jederzeit wieder passieren«.

4 Wochen freier Zugang zu allen PF+ Artikeln inklusive E-Paper
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0