Leserbrief
Mehr Leidenschaft!
Mir fehlt das Plädoyer für eine Ökumene der Leidenschaft. Gerade im Gottesdienst könnte diese ausprobiert, entfacht und gestaltet werden. Würde »Mann« plus »Frau« evangelisch gerade auch das Abendmahl zur Dankesfeier entwickeln und »mann« katholisch und orthodox die Eucharistie zur Mahlfeier entwickeln und dürften doch endlich alle dies miteinander teilen und in farbenreicher Vielfalt zuweilen neu zelebrieren! Manfred Richter, Berlin
In dem Artikel von Reinhard Thöle sind zahlreiche Beispiele der Zusammenarbeit und gegenseitigen Achtung der christlichen Konfessionen erwähnt. Sie zeugen von gegenseitigem Respekt und von der Überwindung der früher herrschenden Intoleranz zwischen den Glaubenssystemen. So ist zum Beispiel die überkonfessionelle Bibelübersetzung eine wichtige gemeinsame Basis und sollte nicht wegen dogmatischer Unstimmigkeiten infrage gestellt werden. Das Miteinander, die »versöhnte Verschiedenheit« ist mir lieber als die Einheit der Kirchen, die Herr Thöle für erstrebenswert hält. Der Glaube an den christlichen Gott sollte, so meine ich, seine unterschiedlichen Ausdrucksformen behalten. Vielen evangelischen, katholischen, orthodoxen, freikirchlichen und sonstigen Gläubigen bedeutet die eigene Tradition etwas – auch wenn sie nicht zur religiösen Substanz zählt. Der Ort dafür liegt im Alltag vor allem außerhalb kirchlicher Räume. Dem Geheimnis Gottes lässt sich jedenfalls nicht durch die strikte Befolgung von Dogmen begegnen. Hans-Joachim Schemel, München




