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Geschichte von Verrat und Verrätern

von Lutz Lemhöfer vom 29.04.2016
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Buch-Tipp. Es gab ihn wirklich im Berlin der NS-Zeit: Fritz Kolbe, Sachbearbeiter im Auswärtigen Amt, ein fleißiger, unauffälliger Mann – und zugleich einer der wichtigsten Spione für den amerikanischen Geheimdienst. Regelmäßig schmuggelte er brisante militärische Informationen an den späteren CIA-Chef Allen Dulles. Der eher unpolitische Kolbe hatte sich über das immer sichtbarer und spürbarer werdende Nazi-Unrecht empört. »Ich habe nie für jemanden gearbeitet. Ich arbeite gegen jemanden«, sagte er über seinen sehr privaten Widerstand. Anders als viele Mittäter und Mitläufer wurde er nach Kriegsende nicht ins neue Auswärtige Amt übernommen. Im demokratischen Deutschland war er als Spion zur Unperson geworden – bis Außenminister Joschka Fischer 2011 einen Saal nach ihm benannte. Andreas Kollender hat aus dieser dramatischen Geschichte einen ebenso dramatischen Thriller gemacht. Darin zeichnet er das bewegende Porträt eines Mannes, der in eine ihn nahezu überfordernde Rolle gerät. Ja, er will mit Leidenschaft Hitler und dem NS-Regime schaden. Aber er zerbricht fast daran, dass er durch sein Handeln auch zur Tötung von Menschen beiträgt. Beeindruckend zeichnet Kollender die Zweifel und den Zwiespalt seines Helden nach, der kein Held sein will und sich nach nichts mehr sehnt als nach Normalität und privatem Glück. So entstand diese intensive und fesselnde Geschichte um Verrat und Verräter, die einen auch lange nach der Lektüre nicht loslässt.

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