Musik
Litaneien aus dem Lockdown
Was ist eine Litanei? So genau wusste der australische Musiker Nick Cave das nicht, als er dem Komponisten Nicholas Lens zusagte, für dessen geplante »Kammeroper« zwölf »Litaneien« zu verfassen. Dabei nimmt Spiritualität durchaus einen großen Teil im Werk des 63-jährigen Cave ein, der für seine schwermütigen, mit dunkelsten Klangfarben verfassten Kompositionen bekannt ist. Er hat sich schon als Christ und Nicht-Christ bezeichnet, glaubt an Gott trotz Religion, hat sich am Alten und am Neuen Testament abgearbeitet – und fand in beiden Inspiration und Kraft. Als er dann herausfand, was eine Litanei sei – eine Fürbitte an Gott, die gemeinschaftliche Anrufung Gottes oder des Heiligen Geistes – da wurde Cave klar: »Ich habe mein ganzes Leben lang Litaneien geschrieben.« Die zwölf Songs, die er innerhalb von nur einer Woche verfasst hat, sind für ihn »lyrische Stücke, die die Geburt, das Aufblühen, das Zerbrechen und die Wiedergeburt des Menschen nachzeichnen«.
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Jan Opielka arbeitet als Journalist für deutsche und polnische Printmedien.

