Das katholische Weltbild
Der katholische Weltbild-Verlag wird verkauft, nachdem bekannt wurde, dass der Konzern auch mit erotischen und esoterischen Produkten Umsatz macht. Womit verdient die katholische Kirche in Deutschland eigentlich sonst noch Geld?
Die Kirchensteuer ist die Haupteinnahmequelle der katholischen Kirche in Deutschland. Aber sie stellt nur knapp 50 Prozent der Einnahmen der 27 Bistümer. Die Gesamteinnahmen sind sehr viel höher.
Fast unbekannt ist, dass die Kirche jede Menge Anteile an Versicherungen und Wohnungsbaugesellschaften hält. Die Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft etwa, die hauptsächlich den Bischöfen aus Köln, Münster, Paderborn und Aachen gehört, besitzt 23 000 Wohnungen. Der Vermögenswert beläuft sich nach Schätzungen auf knapp drei Milliarden Euro.
Ein zweites Beispiel: Die ehemalige Volkshilfe Lebensversicherung der Caritas. Seit sie mit der Aachener und Münchener Lebensversicherung verschmolzen ist, weiß kaum jemand, dass schätzungsweise zwei Drittel der Kapitalanlagen von AM kirchlichen Rechtsträgern zuzuordnen sind. Auch hier geht es um Milliarden Euro.
Weniger bekannt ist auch, dass die katholische Kirche nach Staat und Adel der größte Grundbesitzer in Deutschland ist; das steht schließlich nicht auf jedem Grundstück oder Waldstück drauf.
Bekannt dagegen sind zum Beispiel ihre Beteiligungen an kirchlichen Banken: Die Kölner Pax-Bank etwa hat es als Tresor des angeblich reichsten Bistums der Welt zu einiger Bekanntheit gebracht, auch die LIGA Spar- und Kreditgenossenschaft ist katholisch.
Der Bischof muss niemandem Rechenschaft ablegen
Viele Wirtschaftsbeteiligungen der katholischen Kirche laufen über einen Rechtsträger, der der Öffentlichkeit völlig unbekannt ist: der Bischöfliche Stuhl. Niemand kennt die Höhe des tatsächlichen bischöflichen Vermögens, denn ein Bischof muss laut Grundgesetz niemandem darüber Rechenschaft ablegen.
Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner nicht. Sein Bistum ist ebenso wie elf weitere am Weltbild-Verlag beteiligt, der jetzt verkauft werden soll. Was passiert eigentlich mit den Erlösen aus dem Verkauf, der von allem auf Initiative von Meisner ins Rollen kam?
Was »Entweltlichung« heißt: Kardinal Meisner hat eine Idee
Meisner, der zu den konservativsten Kirchenkräften in Deutschland zählt, will den anrüchigen Weltbild-Konzern nicht mehr in seinem Portfolio haben, weil er dem Reinheitsgebot seiner rückwärtsgewandten Kirche widerspricht. Die päpstliche These von der nötigen »Entweltlichung der Kirche« trifft bei ihm auf ganz und gar offene Ohren. Ob mehr Reinheit des kirchlichen Handelns in der Welt vielleicht auch dadurch zu erreichen wäre, einfach gute Verlagsarbeit zu leisten, statt sich radikal daraus zu verabschieden? Das debattiert Meisner erst gar nicht. Zu viel Welt!
Zu einer reinen Kirche würde allerdings auch Transparenz sehr gut passen. Doch das passt den Bischöfen nicht: Was sie mit einem Verkauf des Weltbild-Konzerns verdienen und wie sie das Vermögen anlegen, werden sie nicht offen legen. Eigentlich ist das mindestens so skandalös, wie es der Verkauf von erotischen Büchern durch einen Kirchenverlag sein mag. Nur interessiert sich niemand dafür.
Der katholische Weltbild-Verlag wird verkauft, nachdem bekannt wurde, dass der Konzern auch mit erotischen und esoterischen Produkten Umsatz macht. Womit verdient die katholische Kirche in Deutschland eigentlich sonst noch Geld?
Die Kirchensteuer ist die Haupteinnahmequelle der katholischen Kirche in Deutschland. Aber sie stellt nur knapp 50 Prozent der Einnahmen der 27 Bistümer. Die Gesamteinnahmen sind sehr viel höher.
Fast unbekannt ist, dass die Kirche jede Menge Anteile an Versicherungen und Wohnungsbaugesellschaften hält[1] . Die Aachener Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft etwa, die hauptsächlich den Bischöfen aus Köln, Münster, Paderborn und Aachen gehört, besitzt 23 000 Wohnungen. Der Vermögenswert beläuft sich nach Schätzungen auf knapp drei Milliarden Euro.
Ein zweites Beispiel: Die ehemalige Volkshilfe Lebensversicherung der Caritas. Seit sie mit der Aachener und Münchener Lebensversicherung verschmolzen ist, weiß kaum jemand, dass schätzungsweise zwei Drittel der Kapitalanlagen von AM kirchlichen Rechtsträgern zuzuordnen sind. Auch hier geht es um Milliarden Euro.
Weniger bekannt ist auch, dass die katholische Kirche nach Staat und Adel der größte Grundbesitzer in Deutschland ist; das steht schließlich nicht auf jedem Grundstück oder Waldstück drauf.
Bekannt dagegen sind zum Beispiel ihre Beteiligungen an kirchlichen Banken: Die Kölner Pax-Bank etwa hat es als Tresor des angeblich reichsten Bistums der Welt zu einiger Bekanntheit gebracht, auch die LIGA Spar- und Kreditgenossenschaft ist katholisch.
Der Bischof muss niemandem Rechenschaft ablegen
Viele Wirtschaftsbeteiligungen der katholischen Kirche laufen über einen Rechtsträger, der der Öffentlichkeit völlig unbekannt ist: der Bischöfliche Stuhl. Niemand kennt die Höhe des tatsächlichen bischöflichen Vermögens, denn ein Bischof muss laut Grundgesetz niemandem darüber Rechenschaft ablegen.
Auch der Kölner Kardinal Joachim Meisner nicht. Sein Bistum ist ebenso wie elf weitere am Weltbild-Verlag beteiligt, der jetzt verkauft werden soll. Was passiert eigentlich mit den Erlösen aus dem Verkauf, der von allem auf Initiative von Meisner ins Rollen kam?
Was »Entweltlichung« heißt: Kardinal Meisner hat eine Idee
Meisner, der zu den konservativsten Kirchenkräften in Deutschland zählt, will den anrüchigen Weltbild-Konzern nicht mehr in seinem Portfolio haben, weil er dem Reinheitsgebot seiner rückwärtsgewandten Kirche widerspricht. Die päpstliche These von der nötigen »Entweltlichung der Kirche« trifft bei ihm auf ganz und gar offene Ohren. Ob mehr Reinheit des kirchlichen Handelns in der Welt vielleicht auch dadurch zu erreichen wäre, einfach gute Verlagsarbeit zu leisten, statt sich radikal daraus zu verabschieden? Das debattiert Meisner erst gar nicht. Zu viel Welt!
Zu einer reinen Kirche würde allerdings auch Transparenz sehr gut passen. Doch das passt den Bischöfen nicht: Was sie mit einem Verkauf des Weltbild-Konzerns verdienen und wie sie das Vermögen anlegen, werden sie nicht offen legen. Eigentlich ist das mindestens so skandalös, wie es der Verkauf von erotischen Büchern durch einen Kirchenverlag sein mag. Nur interessiert sich niemand dafür.


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