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kreuz.net ist vom Netz

Seit sechs Jahren hetzt ein anonymes Webportal gegen aufgeschlossene Katholiken, gegen Juden, Muslime, Homosexuelle. Doch damit ist es nun – fürs Erste – vorbei. Der Fahndungsdruck, den die Aktion »Stoppt kreuz.net« auslöste, fegte das Hetzportal aus dem Netz
von Thomas Seiterich vom 03.12.2012
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Legte »kreuz.net« fürs Erste das Handwerk: David Berger (Fotomontage:Publik-Forum, Foto: pa/ Horst Galuschka)
Legte »kreuz.net« fürs Erste das Handwerk: David Berger (Fotomontage:Publik-Forum, Foto: pa/ Horst Galuschka)

Endlich! – In der Nacht zum 1. Advent zwischen ein und halb zwei Uhr verschwand das Hassportal kreuz.net aus dem Internet. Ob der Untergang einer der bösartigsten Hetz-Plattformen im Netz endgültig ist, wird sich zeigen. Offenbar wurde der Fahndungsdruck auf die anonymen Urheber zur groß.

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Der katholische Theologe David Berger, auf dessen Kampagne »Stopp kreuz.net« diese Entwicklung nahezu allein zurückgeht – da sich die Bischofskonferenzen Deutschlands, der Schweiz und Österreichs durch Feigheit auszeichneten – spricht von einem »Etappenerfolg«. Die Berliner Staatsanwaltschaft sowie der österreichische und deutsche Verfassungsschutz hatten ihren Anteil daran. Doch wer weiß, ob die anonyme, rechtskatholische Hassmaschine, ausgestattet mit neuen Verschlüsselungstricks, erneut auf Sendung gehen wird?

Gleichwohl: kreuz.net bleibt ein Riesenskandal – wegen des politischen Tabubruchs. Denn auf der anonym arbeitenden Website wich die aus der Verfolgungszeit durch die Nazis stammende, weltanschauliche Feindschaft zwischen Katholiken und Nazis einem neuen, brutalen Miteinander zwischen Schwarz und Nazibraun. Das Kontaktnetz der sich dort verbreitenden Erzkonservativen reicht über den Papst-Bruder Georg Ratzinger bis zu Benedikt XVI.

Und die Deutsche Bischofskonferenz? Sie hielt sich Jahre lang bedeckt, bis sie kreuz.net endlich verurteilte. Lange bestand keine Einstimmigkeit gegen das Portal, weil der Kölner Kardinal Joachim Meisner bremste. Und auf der anderen Seite fürchteten sich viele Bischöfe vor dem Hassportal, das auch vor ihnen nicht Halt machte.

Ende Oktober jedoch hatte der Theologe David Berger einfach genug – genug von dem beschwichtigenden Satz: »Mit kreuz.net müssen Sie leben«, genug von der Hasskampagne gegen Homosexuelle wie ihn, genug von Hetze und Häme gegen liberale Christen, reformerische Katholiken, Juden und Muslime. Das anonyme Portal versandte sein Gift unter dem Deckmantel des »Katholischen«, seit 2004 täglich und mehrsprachig.

Ein Schmähartikel über den am 1. Oktober verstorbenen, schwulen Schauspieler Dirk Bach – »Der Kotstecher... schmort jetzt in der ewigen Homo-Hölle« – brachte das Fass zum Überlaufen. David Berger, bis zu seinem Coming Out ein gefeierter Jungstar der theologisch Konservativen einschließlich der vatikanischen Glaubenskongregation, startete mit dem Bruno Gmünder Verlag die Aktion »Stoppt kreuz.net«.

Aufmerksamkeit der Medien errang die Kampagne, weil der Szene-Verlag 15000 Euro Kopfgeld auslobte für Informanten, die helfen sollten, den Betreibern das Handwerk zu legen. So viel Geld lockte die Mitwisser des rechtsextremen Webportals, in dem der Holocaust geleugnet und Hass gegen die Juden verbreitet wurde.

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