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Der Fürstbischof

Dem Limburger Bischof werden Verschwendung und autoritäres Auftreten vorgeworfen. Der Oberhirte steht offen unter Druck. Jetzt hat sogar der Vatikan eingegriffen
von Hartmut Meesmann vom 10.09.2013
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Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Bischof von Limburg, wird jetzt von Rom unterstützt, um wieder sicher im Sattel zu sitzen. Ob das klappt? (Foto: pa/von Erichsen)
Franz-Peter Tebartz-van Elst, der Bischof von Limburg, wird jetzt von Rom unterstützt, um wieder sicher im Sattel zu sitzen. Ob das klappt? (Foto: pa/von Erichsen)

Der katholische Stadtdekan von Frankfurt, Johannes zu Eltz, ist im Kern so etwas wie ein hundertprozentiger Katholik. Konservativ und durchsetzungsfähig, oft kompromisslos. Er eilt auch schon einmal einem Gottesdienstbesucher hinterher und entwindet ihm im Gerangel die Hostie, die dieser in seine Manteltasche gesteckt hatte – so geschehen in Wiesbaden, wo der Geistliche zuvor Stadtdekan gewesen war.

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Seit der studierte Kirchenjurist vom Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst als dessen Vertreter in die Mainmetropole geschickt wurde, sei er offener geworden, sagen Insider. Wenn ein solcher Mann, der stets mit Priesterkragen und oft sogar in römischer Soutane herumläuft, seinem Bischof im »Heute Journal« durch die Blume, nämlich mit Verweis auf die Entscheidung Benedikts XVI., den Rücktritt nahelegt, dann hat das schon eine besondere Qualität. Dann ist sogar Rom alarmiert.

Der aus einem adligen Haus stammende Geistliche ist inzwischen zu einer Art Symbolfigur für die massive Kritik am umstrittenen Limburger Bischof geworden, der seit 2008 das von regionalen und mentalen Gegensätzen geprägte Bistum zwischen Westerwald und Frankfurt leitet. Schon im vergangenen Jahr hatte zu Eltz zusammen mit anderen Priestern der Diözese in einem Brandbrief an den Bischof einen angstfreien Dialog und einen konstruktiveren Leitungsstil eingefordert.

Nachdem der Bischof seinem Stadtdekan wiederum Illoyalität vorgeworfen hat – was dieser als verklausulierte Rücktrittsforderung an ihn interpretierte, der Bischof jedoch flugs dementierte –, haben sich Katholikinnen und Katholiken in einem Offenen Brief an Tebartz-van Elst gewandt. Darin fordern die Unterzeichner von ihrem Oberhirten, »anzuerkennen und zu respektieren, dass die von Ihnen zu Recht eingeforderte Loyalität nicht heißen kann, dass Widerspruch und Kritik verboten sind«. Vertrauen könne nur dann wieder entstehen, »wenn es eine umfassende, ehrliche, schonungslose Information über alle in die Kritik geratenen Vorgänge in der Bistumsleitung gibt«. Weit über 4000 Unterschriften wurden dem Bischof inzwischen übergeben.

Woher kommt es, dass auch eher »brave« Katholikinnen und Katholiken an diesem Bischof kaum ein gutes Haar mehr lassen? Es ist das Auftreten des 54-Jährigen, das Unmut und auch Empörung auslöst. Der Bauernsohn aus dem niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer inszeniert sich mit großem Pomp und selbstherrlicher Attitüde als eine Art Fürstbischof, wie zu vergangenen Zeiten: mit aufgeblähten Eucharistiefeiern und klerikalistischen Insignien. Kirchliche Ehrentitel, die keiner braucht, wurden von ihm aus der Mottenkiste geholt. Der Limburger Oberhirte, über den der Theologe Hermann Häring urteilt, er übe sich in der Kunst, »mit vielen Worten nichts zu sagen«, mag es stilecht und gehoben. Erzählt wird zum Beispiel, dass er sich nach einem Besuch bei den Dernbacher Schwestern – den Armen Dienstmägden Jesu Christi, wie der Orden heißt – darüber beschwert habe, dass ihm nicht wertvollere Tassen und Teller auf den Tisch gestellt worden seien.

Von Journalisten gefragt, ob Papst Franziskus mit seiner Nähe zur »Kirche der Armen« nicht auch für ihn ein Vorbild sein müsse, antwortete Tebartz unlängst unverfroren, das seien »wichtige Impulse«, die katholische Kirche lebe eben von der Vielfalt. Man kann also aus Sicht des Bischofs im Geiste Jesu zu den Armen in den Elendsvierteln gehen und auf die Insignien geistlicher »Macht« verzichten, wie es der Papst tut – und man kann sich im Geiste desselben Jesus aber auch reich verzierte schöne Kleider anziehen, einen schicken Amtssitz bauen lassen und erster Klasse in die Elendsviertel fliegen, wie es der Bischof zusammen mit seinem Generalvikar getan hat. Genau diese Einstellung stößt vielen Katholikinnen und Katholiken übel auf, gerade in Limburg, wo Vorgänger Franz Kamphaus bescheidene und asketische Akzente gesetzt hatte.

Dieses fürstbischöfliche Gehabe ist es auch, das den unerschrockenen Frankfurter Stadtdekan dazu brachte, dem Bischof in einem Gespräch nahezulegen, erst einmal sieben Jahre in einer Arme-Leute-Pfarrei tätig zu sein und dann wieder ins Bischofsamt zurückzukehren. Unverblümter geht’s kaum, trifft aber genau den Kern. Die Glaubwürdigkeit des Bischofs ist berührt. Und das ist nicht nur dessen Privatsache.

Dass des Bischofs neue Residenz gegenüber dem Dom – jetzt »Diözesanes Zentrum« genannt – inzwischen viele Millionen Euro verschlingt, passt ins Bild. Nur auf Druck der Öffentlichkeit und auch nur scheibchenweise kommen die Zahlen auf den Tisch. Der Bischof hat inzwischen angekündigt, hier an Transparenz nachlegen und die genauen Zahlen offenlegen zu wollen. So würde man gerne wissen, aus welchen Töpfen der Bau eigentlich bezahlt wird. Zugleich hat der Bischof alle Diözesanen eingeladen, das Haus zu besichtigen, denn es diene doch der »Gastfreundschaft«.

Stramm auf Linie

Über den Limburger Oberhirten heißt es, er trete autoritär auf und vertrage keine Kritik. Mitarbeiter, die sich kritisch über den Bischof äußern, werden auch schon mal kurzerhand gekündigt – gewissermaßen wegen Majestätsbeleidigung. Dass der Bischof nach kritischen Artikeln der FAZ vier Abos dieser Zeitung kündigen ließ, zeugt von wenig Souveränität. Beratungsresistent sei der Mann, klagen Insider. Er könne zwar zuhören, sagen viele, mache dann aber doch, was er für richtig halte.

Das sei zum Beispiel bei den von ihm verordneten Zusammenlegungen von Gemeinden zu Großpfarreien immer wieder deutlich geworden: Die Mitsprache der Gemeinden war und ist nach Einschätzung vieler Beteiligter sehr eingeschränkt. In der vorsichtigen Kritik der Präsidentin der Diözesanversammlung, Ingeborg Schillai, hört sich das so an: »Manchmal fragen wir uns, ob unsere Bedenken in den synodalen Gremien in Ihre Entscheidungen auch genügend einfließen.«

Bischof Tebartz-van Elst hat inzwischen in einem Brief an alle Katholiken des Bistums eingeräumt, »nicht über jeden Zweifel erhaben zu sein«. Er schätze kritische und skeptische Fragen, beteuert er. »Aber mehr noch brauche ich Ihr Vertrauen.« Das klingt dann schon wieder eher nach dem Übertünchen von Konflikten und danach, ihn doch bitte machen zu lassen. »Lassen Sie uns aufeinander zugehen!«, bittet der Bischof.

Der war kürzlich – mehr oder weniger freiwillig – in Rom und bat dort um eine offizielle Visitation seiner Amtsführung. Die Römer halten diese jedoch – offiziell – nicht für notwendig. Dennoch hat der Papst den früheren Nuntius in Deutschland, Kardinal Giovanni Lojola, zu einem »brüderlichen Besuch« nach Limburg geschickt: als eine Art päpstliche Feuerwehr. Das zeigt, wie ernst Rom den Konflikt nimmt. Der Kardinal soll viele Gespräche führen und, wie es in einem Brief an Tebartz-van Elst heißt, »die Geister unterscheiden helfen, gegebenenfalls brüderlich ermahnen, vor allem aber ... Ihren brüderlichen Dienst stützen und zum Frieden und zur Einheit ermutigen«. Man darf vermuten, dass dabei auch der Limburger Bischof Federn lassen wird.

Die Frage ist, ob der von vielen abgelehnte Oberhirte künftig weniger autoritär und selbstherrlich auftreten wird? Zweifel sind angebracht. Denn Tebartz-van Elst vermittelt den Eindruck, in einer anderen Welt zu leben. »Er hat den höfischen Stil internalisiert und kann sich nur in ihm äußern«, urteilt Hermann Häring zutreffend. Der Vatikan trägt im Übrigen Mitschuld an solchen Auseinandersetzungen, wie sie jetzt in Limburg geführt werden. Denn wie werden Bischöfe ausgewählt? Vor allem nach ideologischen Gesichtspunkten. Sie müssen sich dem päpstlichen Zentralismus unterordnen und stramm auf Linie sein. Bei der Auswahl fehlt es zudem oft an Menschenkenntnis. Rom hat in den vergangenen Jahrzehnten durch Bischofsernennungen viel Unheil angerichtet. In den Niederlanden wurde eine ganze Ortskirche durch erzkonservative Bischofsernennungen plattgemacht, weil die Kirchenbasis dort als zu kritisch empfunden wurde. In der Schweiz und in Österreich sorgten solche Bischöfe für viel Streit und für Kirchenaustritte.

Die Forderung, das Kirchenvolk an der Bischofswahl zu beteiligen, wird in Rom abgeblockt. Eine solche Einbeziehung der Gläubigen ist zwar keine Gewähr dafür, dass immer der Richtige ausgeguckt wird, aber allemal besser als die Kungelei in klerikalen Hinterzimmern. Was alle angeht, sollte von allen entschieden werden, hat Papst Gregor der Große (um 540-604) einmal gesagt.

Ermittlungen des Staatsanwalts

Schwierig könnte es für den Limburger Bischof dann werden, wenn die Hamburger Staatsanwaltschaft den Verdacht, der Bischof habe eine falsche eidesstattliche Erklärung über seinen Flug nach Indien abgegeben, bestätigt sehen sollte. Denn dann droht eine Geld- oder gar Freiheitsstrafe. Tebartz-van Elst hat bestritten, einem Journalisten gegenüber behauptet zu haben, er und sein Generalvikar seien Business Class geflogen – was erwiesenermaßen nicht stimmt und ihm in der Folge einige Anzeigen eingebracht hat. Möglich, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird. Davon geht jedenfalls der Bischof aus. Beschädigt ist sein Ruf allemal. Das Ergebnis der staatsanwaltlichen Untersuchung soll Ende des Monats bekanntgegeben werden.n

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Personalaudioinformationstext:   Hartmut Meesmann leitet das Ressort Theologie und Kirchen bei Publik-Forum.
Am Donnerstag, 12. September, 20.15 Uhr, debattiert Redaktionskollege Thomas Seiterich zum Thema Tebartz im SWR Fernsehen.
Schlagwörter: Kritik Vatikan
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