Die Not der verfolgten Christen
Die Festmesse in der Neujahrsnacht ist ihr letzter Gottesdienst. Denn nach dem Segen explodiert ein Paket mit hundert Kilo Sprengstoff vor der koptischen Markus-und-Petrus-Kirche in der ägyptischen Mittelmeer-Metropole Alexandria. Neunzehn Kopten sterben, vier weitere erliegen später ihren Verletzungen. Während die Opfer um ihr Leben ringen, bekennt sich ein ägyptischer Ableger von Al Qaida im Internet zu dem Verbrechen. Wirre islamistische Hassbotschaften im Netz preisen den Massenmord als Heldentat zur Verteidigung des Islams. Die Kopten, ja nahezu alle orientalischen Kirchen, lebten schon ein halbes Jahrtausend in Ägypten, Palästina und beispielsweise dem Irak, bevor die ersten Muslime kamen. Doch der hieraus resultierende Respekt und die anderthalb Jahrtausende bewährte Gutnachbarlichkeit im Umgang der Mehrheit mit der Minderheit verliert sich zusehends. Vergessen ist auch, dass es im 20. Jahrhundert zuvorderst christliche Intellektuelle waren, die den Gedanken des arabischen Nationalismus und Panarabismus gegen die Westmächte entwickelten.
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