Papst Benedikt, verzückt entrückt
»Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.« Genau so war es, in den Nachmittagsstunden des 28. Februar 2013 in Rom. Papst Benedikt entschwebte den Gläubigen und fuhr gen Himmel. Er hatte es ja wenige Tage zuvor – in seinem letzten Angelusgebet als amtierender Papst – auch so angekündigt: »Der Herr ruft mich, auf den Berg zu steigen, um mich noch mehr dem Gebet und der Meditation zu widmen.«
Als Seine Heiligkeit im weißen Hubschrauber wenig später über Castel Gandolfo wieder auftauchte, atmete man förmlich auf. Gott sei Dank, doch keine Himmelfahrt! Der Berg, auf den der Herr gerufen hat, ist zunächst ein ganz irdischer: Vom Sommersitz der Päpste aus lässt sich wunderbar erhöht in die Ebene blicken. Ein guter Ort für einen Denker und Säulenheiligen, von der Last des Papstamts befreit.
Naiv, wer glaubt, die Strategen des Vatikans hätten den Abschied von Benedikt nicht absichtsvoll in die Nähe einer großen biblischen Figur gerückt. Der letzte Arbeitstag, die letzten Worte, der letzte Blick auf den Entrückenden: Alles war inszeniert wie im ersten Kapitel der Apostelgeschichte. Dort hat auch Jesus einen letzten Arbeitstag. Er gibt seinen Jüngern letzte Anweisungen. Und dann entschwindet er an einen Ort, der nicht den Tod, sondern neues Leben bedeutet. »Unverwandt« schauen die traurigen und verlassenen Anhänger »ihm nach zum Himmel«. Doch dann kommen zwei Männer in weißen Gewändern und sprechen die erlösenden Worte: »Dieser Jesus, der von euch ging, wird ebenso wiederkommen, wie ihr ihn habt zum Himmel hingehen sehen.«
Ja, wie? Dürfen wir nun auch mit einer Rückkehr Benedikts rechnen? Er selbst hat sie ausgeschlossen und angekündigt, er werde fortan sehr zurückgezogen leben. Doch gerade deshalb wird man mit großer Sicherheit weiter von ihm reden. So war es ja auch bei Jesus. Und so ist es bis heute geblieben.
Denn wer weg ist und doch nicht tot, geht niemals so ganz. Im Zwischen-Dasein entrückter Leitfiguren ist Gott am Werk. So funktionieren Mythen. Elias und Henoch, Jesus und Maria, König Artus und Kaiser Barbarossa haben sich in einem solchen Dasein eingerichtet. Ihr Weg dorthin war ein besonderer, und ihr Ruf schallt bis heute wie Donnerhall.
Benedikt ist also in guter Gesellschaft. Schon sein Pontifikat folgte dem Programm der Entweltlichung, und nun setzt er sie mit anderen Mitteln fort. Wiederkommen wird er auf jeden Fall. Man wird von ihm hören, Wundersames und Menschliches. Dafür werden schon die Medien sorgen.
