Franz trifft Peter
Das große Warten hat begonnen: Im Bistum Limburg herrscht gespannte Ruhe vor dem Sturm. Alle Augen richten sich auf den Vatikan. Dort traf sich der Bischof von Limburg Anfang der Woche mit Kardinal Marc Ouellet, dem Präfekten der Bischofskongregation. Zwei Tage zuvor hatte Ouellet seinerseits ein Gespräch mit dem Papst. Und auch der päpstliche Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, war nach Rom beordert worden. Die Zeichen sind klar zu deuten: Offenbar geht die mehrmonatige »Auszeit« des Franz-Peter Tebartz-van Elst ihrem Ende entgegen.
Dass noch immer keine offizielle Lösung des Konflikts um Tebartz verkündet wurde, liegt daran, dass der Vatikan offensichtlich ein Gesamtpaket zu schnüren versucht. Nicht nur soll eine Lösung für das Bistum Limburg her, sondern auch eine für den Noch-Bischof selbst.
Dass die Bezeichnung »Noch-Bischof von Limburg« vielleicht zu salopp, im Kern aber richtig sein könnte, dafür spricht immer mehr. Hatte Tebartz über viele Monate lautstarke Fürsprecher bei mächtigen Kirchenmännern wie Georg Gänswein, Joachim Meisner und vor allem Gerhard Ludwig Müller, so sind diese Männer in den zurückliegenden Tagen entweder still oder öffentlich überraschend nachdenklich geworden. Vom Präfekten der Glaubenskongregation, der jüngst noch Karnevalisten geißelte, die sich über den Limburger »Protzbischof« lustig gemacht hatten, ist nichts zu hören. Kardinal Meisner hält im neuen Ruhestand wirklich Ruhe. Und Georg Gänswein, der Sekretär des Alt-Papstes Benedikt, hat als Jüngster und Postmodernster unter den Dreien eine mediale Strategie gewählt, um seinen Sinneswandel unter die Leute zu bringen: In einem Interview des Mannheimer Morgen sagte er jetzt über die Geld-Ausgaben des Kollegen Tebartz in Limburg: »Wenn die Zahlen stimmen, kann man wirklich nur den Kopf schütteln.«
Noch wichtiger als »die Zahlen« aber sind Gänswein die Auswirkungen des Limburger Skandals auf die Gläubigen – sagt er nun. Der Katholischen Nachrichtenagentur (kna) gewährte er Einblick in die Gänswein-Seele: »Der Hirte Tebartz und die Herde – geht das noch?« Wenn ein Kurienerzbischof mit starken Netzwerken im Vatikan einer kirchlichen Nachrichtenagentur diese Frage in die Feder diktiert, ist der Untergang des Hirten Tebartz kaum noch aufzuhalten.
In Limburg wiederum stellt man sich offenbar auf eine Zeit nach Tebartz ein. Das Bistum verkündete vor wenigen Tagen, es werde »noch vor der Sommerpause im Juli« das gesamte Vermögen und die finanziellen Verpflichtungen der Diözese komplett offenlegen. Damit sei auch das Vermögen des sog. »Bischöflichen Stuhls« gemeint, das über Jahrzehnte bestgehütete Geheimnis des Bistums Limburg (und nicht nur dieses Bistums) war. So viel Transparenz und Radikalität, abgesegnet durch das Domkapitel: unter Tebartz undenkbar.
Der Noch-Bischof von Limburg äußerst sich selbst – noch – nicht öffentlich über seine Lage und seine seelische Befindlichkeit. Das ist nur zu verständlich. Der Druck, der auf ihm lastet, ist groß. Auch er sehnt sich nach einer Lösung. Dass das Verhältnis zwischen ihm und seinem Bistum Limburg irreparabel zerrüttet ist, leugnete er lange. Vor sich und vor der Welt.
Doch nun scheint die Zeit gekommen zu sein, in der auch Tebartz-van Elst zu verstehen beginnt, dass er Fehler gemacht hat. Mehrere Kollegen im Bischofsamt haben es ihm gesagt, auch kommunikationsfähige Konservative wie der Münsteraner Bischof Felix Genn. Tebartz braucht jetzt Hilfe von oben. Das kann man ganz wörtlich verstehen – und damit den Papst meinen. Man kann aber auch über den Papst hinaus denken. Und das tut Bischof Franz-Peter in diesen Tagen ganz sicherlich. Eine in den Seelsorger und den Rechthaber zerfallene Persönlichkeit findet vielleicht jetzt wieder zu sich selbst. Und entscheidet so, wie es die Rechthaberseele lange nicht wollte.
