Die Kraft der Armen
Franziskus geht neue Wege: Als erster Papst hat er die Sprecher von Basisbewegungen aus aller Welt nach Rom eingeladen. Vom 27. bis 29. Oktober trafen sich rund 200 Frauen und Männer im Vatikan, die sich in den Bewegungen landloser Bauern oder selbstverwalteter Betriebe engagieren. Sprecher von Migranten und Bewohnern der Elendsviertel waren ebenso vertreten wie der Verband der Obdachlosen und Armen aus Sambia, der lateinamerikanische Kleinbauern-Verband Via Campesina, ein kurdischer Jugendverband aus Syrien und der Bund koreanischer Bäuerinnen.
Die Leitfragen des Treffens sind von bleibender Bedeutung: Wo liegen die Ursachen für die wachsende soziale Ungleichheit? Was ist zu tun gegen den Prozess der Ausgrenzung und des Wegwerfens angeblich »überflüssiger« Menschen? Warum all diese Kriege, Vertreibungen? Warum Hunger, Armut und Arbeitslosigkeit?
Nachdem er lange zugehört hatte, hielt Franziskus eine »unerhörte« Rede. »Unerhört«, weil sich das katholische Kirchenoberhaupt damit unzweideutig auf die Seite der Armen stellt und das kapitalistische System anprangert. So wie er dies Wochen später in seiner Rede vor dem Europaparlament in Straßburg in ähnlicher Weise tat, als er Solidarität über Profitgier und Menschenwürde über Menschenverachtung setzte. »Unerhört« ist die Rede vor den Basisbewegungen auch deshalb, weil sie so gut wie nicht von den Medien verbreitet wurde.
Publik-Forum dokumentiert im aktuellen Publik-Forum-Heft die Rede leicht gekürzt, wie auch die Antwort der Basisbewegungen. Das Original der Papst-Ansprache findet sich im Internet auf www.vatican.va
