Dialoginitiative 2012 für Kirchenreform
Dynamik kommt auf in der Auseinandersetzung über den »Aufruf zum Ungehorsam«, den die über 400 Priester der österreichischen Pfarrer-Initiative kurz nach Pfingsten 2011 veröffentlichten. Denn am 15. April, dem Weißen Sonntag, hat die österreichische Kirchenreformerbewegung Wir sind Kirche die Dialoginitiative 2012 gestartet - eine Unterschriftensammlung nach dem Vorbild des weltweit ersten »Kirchenvolksbegehrens«. Dieses hatten im Juni 1995 innerhalb von drei Wochen rund 505000 Österreicher unterzeichnet - ein eindrucksvoller Protest gegen die innerkatholischen Reformverweigerung durch Bischöfe und Vatikan.
Die Aktion greift die Forderungen der Pfarrerinitiative auf
Die neue Unterschriftenaktion »Dialoginitiative 2012« soll den »Aufruf zum Ungehorsam« der Priester-Initiative unterstützen. Die Geistlichen der Pfarrer-Initiative wollen, wie viele Katholiken in der westlichen Welt, Frauen als Priesterinnen, sie wollen den Pflichtzölibat aufheben und Laien mit Führungsämtern betrauen. Vor allem stoppen sie ab sofort in ihren Gemeinden den Ausschluss von geschiedenen Wiederverheirateten und evangelischen Messbesuchern von der Kommunion.
Papst Benedikt XVI. hatte deshalb in seiner Gründonnerstagspredigt die österreichische Pfarrer-Initiative ausdrücklich kritisiert. Dabei war der Pontifex jedoch auffällig milde. Denn der Papst gestand der Pfarrerinitiative zu, »dass sie die Sorge um die Kirche umtreibt«. Aber Ungehorsam sei in der »oft dramatischen Lage der Kirche« nicht der Weg der Erneuerung, fügte der Papst hinzu. Es ist bemerkenswert, dass Benedikt XVI. Drohungen gegen die Pfarrerinitiative unterließ und ihr ausdrücklich einen Platz in der Kirche zubilligte.
Nun folgt die Unterschriftenaktion. Hans-Peter Hurka, der Vorsitzende von Österreichs Plattform Wir sind Kirche, erklärt den Hintergrund der Dialoginitiative 2012: »Fünfzig Jahre nach dem letzten großen Konzil in Rom ist es für die Bischöfe höchste Zeit, mit der theologischen Wissenschaft und dem Kirchenvolk einen offenen und ehrlichen Dialog aufzunehmen. Eine Kirche, die in der Welt Dienste erbringen will, kann ohne den Dialog mit den Menschen dieser Welt diese Aufgaben nicht erfüllen.« Hurka sagt weiter: »Deshalb braucht die Kirche Ausdrucksformen ihrer Botschaft, die für die Menschen von heute verständlich und hilfreich, biblisch fundiert, vernünftig und zeitgemäß sind.«
Kommission soll Wege aus der Krise erarbeiten
Dafür werden Unterschriften gesammelt. Wir sind Kirche schlägt »eine Kommission« vor, »unter Vermittlung« des zwar konservativen, jedoch dialogfähigen Wiener Kardinals und langjährigen Ratzinger-Vertrauten Christoph Schönborn. Die Kommission soll die Bischöfe endlich in den Dialog zwingen sowie »Wege aus der Krise erarbeiten und dem Kirchenvolk vorschlagen«.
