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Fanny Dethloff (Foto: privat)

Fanny Dethloff

Publik-Forum schätze ich, weil es unsere Zeit klug analysiert. Hier kann man über gelingende Beispiele des widerständigen, kreativen Miteinanders lesen. Da bin ich gern Mitherausgeberin!

Als Klinik- und Notfallseelsorgerin bin ich seit 3 Jahren in Preetz bei Kiel. Ich lebe inzwischen auf einem kleinen Dorf, bin aktive Feuerwehrfrau, habe Hunde und Hühner und ein großes offenes Haus, in dem ich mit meiner Frau und den immer wieder mal vorbeischneienden erwachsenen Kindern und anderen Mitgliedern unserer Patchworkfamilie lebe.

Sterbebegleitung, Hospizarbeit waren seit meinem 20. Lebensjahr wichtiges Lern- und Arbeitsfelder für mich. Als Familie haben wir meinen Großvater begleitet; dieses Schlüsselerlebnis hat mich später auch beruflich geprägt.

Früh im Studium bekam ich meine Tochter und später im Vikariat meinen Sohn. Als Pastorin adoptierte ich meinen zweiten Sohn. Nach dem Vikariat ging der Weg über die Aus-und Fortbildung von Altenpflegekräften, über Gemeindearbeit und Gefängnisseelsorge, samt Abschiebehaftseelsorge, weiter in die Flüchtlingsarbeit. 12 Jahre lang war ich Flüchtlings- und Menschenrechtsbeauftragte der Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche, »Nach-Nachfolgerin« des 2011 verstorbenen Menschenrechtsaktivisten, Amnesty-Generalsekretärs und evangelischen Theologen Helmut Frenz, der mich geprägt hat.

Immer waren es soziale und politische Themen, die mich herausforderten. Während des Studiums war die Gründung und ehrenamtliche Mitarbeit in einem autonomen Frauenhaus zum Beispiel deutlich spannender als der Griechischunterricht an der Hamburger Uni, wo ich nach Bethel und Heidelberg studierte.

Als Menschenrechts- und Flüchtlingsbeauftragte meiner Kirche war ich gefordert, Zeugin zu sein: Ich machte Exkursionen an die türkisch-iranische Grenze, nach Afghanistan oder arbeitete auf Malta mit. Auch die Unterstützung der Cap Anamur–Verantwortlichen Stefan Schmidt und Elias Bierdel war eine langjährige und wichtige Erfahrung für mich. Die Seerettung im Mittelmeer ist ja bis heute ein europäisches Konfliktthema.

Neben politischen Aktionen und Petitionen waren es die spirituellen Orte, die Kraft spendeten, um weiterzumachen. Zehn Jahre war ich Bundesvorsitzende der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Asyl in der Kirche. Menschenrechtsfragen sind und bleiben mein Thema, da es um die Würde des Menschen, um die Gottesebenbildlichkeit geht.

Inzwischen begleite ich als Notfall- und Klinikseelsorgerin Menschen in alltäglicheren Krisensituationen. Aber die Themen ähneln denen aus meiner Zeit, in der ich Flüchtlingsarbeit machte. Wir leben in einer gestressten Gesellschaft, erleben und erleiden Transformationen, die erst, wenn wir uns ihnen stellen, auch ungeahnte Chancen bergen. Es gilt in meinem Beruf, in persönlichen Katastrophen für Menschen da zu sein, weil Gott sein »Ich bin da« zugesagt hat – und er keine anderen Hände hat als unsere, um mit Dorothee Sölle zu sprechen. Diese Zusage gilt allen Menschen, ganz gleich woher sie kommen. Ehrenamtlichen Hospizhelfenden, aber auch Flüchtlingsunterstützenden biete ich deshalb immer wieder Supervisionen oder Workshops zum Stressabbau an.

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