Kinotipp: »Bärbel Bohley – Tagebuch einer Auflehnung«
Das Schicksalsjahr einer DDR-Dissidentin
Kino. Bärbel Bohley war eine ostdeutsche Malerin und prominente DDR-Dissidentin. Im Jahr 2010 ist sie an Krebs gestorben. Nach dem Mauerfall stieg sie als Mitbegründerin der Oppositionsbewegung Neues Forum zum Gesicht der Friedlichen Revolution auf. In dieser Dokumentation wird die Bürgerrechtlerin von einer unbekannten Seite gezeigt. Sie beschränkt sich weitgehend auf das Jahr 1988 und basiert auf Bohleys Tagebuchnotizen.
Im Januar jenes Jahres hämmerte die Stasi an ihre Tür. Sie wird zum zweiten Mal nach 1983 verhaftet, nun wegen Landesverrats. Nach Wochen im Gefängnis Hohenschönhausen wird sie mit ihrem Lebensgefährten in den Westen abgeschoben, kann aber durchsetzen, ihren Pass zu behalten. Die erste Station ist Bonn, wo sie, eine Freundin von Petra Kelly, auf einer Grünen-Fraktionssitzung eine Rede hält. Die Hälfte der Teilnehmer geht jedoch lieber rauchen, als ihr zuzuhören. Nach dieser ernüchternden Begegnung reist sie nach Paris, London und ins Sehnsuchtsland Italien: »Der ganze Süden stürzt auf mich ein.« Dennoch will sie unbedingt zurück in die graue DDR, um für Meinungsfreiheit zu kämpfen.
Neben einigen nachgestellten Szenen wird das Porträt der »Überzeugungstäterin« von Interviews mit Weggefährten wie Roland Jahn, Rolf Henrichs, Ulrike Poppe, Birgit Voigt und Mary Kaldor ergänzt. Der Film ist auch ein Blick zurück in eine schlechte alte Zeit, in der die Dissidenten selbst im Ausland durch die Zersetzungsmethoden der Stasi terrorisiert und vielleicht, so legen Stasi-Akten nahe, sogar radioaktiv verstrahlt wurden. Vor allem aber ist er eine Hommage an eine mutige Frau, die allen Ängsten und aller Repression zum Trotz nicht anders konnte, als für ihre Heimat zu kämpfen.

