Dammbruch in Brasilien
Die brasilianische Katastrophe und die Verantwortung des TÜV Süd
Die Bilder gingen um die Welt. 2019 brach ein 80 Meter hoher Rückhaltedamm in der brasilianischen Eisenerzmine Brumadinho. In den Schlammfluten starben 272 Menschen, der Fluss Paraopeba wurde verseucht, viele Anwohner verloren Hab und Gut. Besonders skandalös: Der Damm hatte noch kurz zuvor ein Unbedenklichkeitssiegel erhalten: von einer Tochterfirma des TÜV Süd in München.
Die Bilder und das Schicksal der Betroffenen sind aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden, und erst sieben Jahre nach der Katastrophe wurde jetzt in Brasilien ein Strafprozess eröffnet. Die Familien der Opfer befürchten, dass die Zeit davonläuft und sich die beteiligten Unternehmen, insbesondere der Manager des TÜV Süd aus ihrer Verantwortung stehlen könnten. Der Vorwurf richtet sich auch an die deutsche Justiz, denn spätestens 2029 werden die Vorwürfe verjährt sein. Vom TÜV haben die Betroffenen keinen Cent bekommen – nur Worte des Bedauerns.
Monika König vom Hilfswerk Misereor verfolgt in München die Anhörungen für einen Zivilprozess auf deutschem Boden. Zusammen mit dem brasilianischen Anwalt Felipe Bley-Fol hält sie die Beweislast gegen den TÜV-Manager für »erdrückend«. Letztlich gehe es auch darum, wie internationale Konzerne ihre Sorgfaltspflichten im Ausland wahrnähmen. »Wenn das in Deutschland passiert wäre und ein ausländisches Prüfunternehmen ein falsches Zertifikat erteilt hätte – dann wäre die Hölle los.« Dazu komme, dass in der brasilianischen Minenregion Gerais für mehr als 40 Dämme Sicherheitswarnungen vorlägen. Drei von ihnen fielen in die höchste Warnstufe. Eine solche Katastrophe »kann jederzeit wieder passieren«.

