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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 1/2020
Zukünfte gesucht!
Wohin sich Politik, Kirchen und Gesellschaft entwickeln werden
Der Inhalt:

Im Anfang das Wort

von Eva-Maria Lerch, Michael Schrom vom 17.01.2020
Was soll man mit der alten Bibel noch anfangen? Ein Gespräch mit den Bibelwissenschaftlern Egbert Ballhorn und Regina Wildgruber über Anfänge und Bibellektüre

Publik-Forum: Frau Wildgruber und Herr Ballhorn, Sie haben gemeinsam mit Kollegen ein ungewöhnliches Werk über die Buchanfänge der Bibel herausgebracht: »73 Ouvertüren«. Wie kamen Sie darauf?

Egbert Ballhorn: Im Anfang war das Wort. Im Anfang erschuf Gott Himmel und Erde. Das sind berühmte, berührende Anfangssätze. Und zugleich sind sie sehr programmatisch, denn das Thema des jeweiligen biblischen Buches klingt in ihnen schon an. Nachdem wir die einzelnen Bücher einmal in Ganzschrittlektüre von Anfang bis Ende gelesen haben, fiel uns auf, dass die ersten Kapitel der 73 Bücher alle wie Ouvertüren sind, die die Melodie des gesamten Textes schon in sich bergen. Das hat uns vergnügt …

Regina Wildgruber: Es hatte etwas Spielerisches! Der Schwung dieser Anfänge hat uns einfach mitgerissen – und so haben wir beschlossen, daraus ein Buch mit eher essayistischen Texten zu den Buchanfängen für eine breite Leserschaft zu machen.

Ballhorn: Und das alles unter diesem wilden Blick: Wir lesen Bibel hier als Literatur! Es geht nicht darum, dass wir die Fachleute sind und die Leser sich unsere Interpretationen dann zu eigen machen müssen. Sondern darum, Menschen anzuregen, selber zu lesen – und mit ihrer eigenen Emotion und Geschichte auf die Texte zu reagieren.

Wildgruber: Man muss das, was in der Bibel steht, nicht gut finden. Man muss das auch nicht sofort glauben. Wichtig ist, die Texte erst einmal zu lesen. Wir machen dann gemeinsam Erfahrungen mit dem Text. Die können toll sein, man kann die Texte aber auch abstoßend finden. Es geht also nicht nur um Glaubensinhalte oder moralische Werte, die in den Texten vermittelt werden sollen, sondern darum, aufgrund unserer eigenen Geschichte und Gotteserfahrung auf Augenhöhe mit dem Text und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Das sind wir in der Kirche eigentlich nicht gewöhnt. Dort wird uns die Bibel in Predigten und theologischen Kommentaren ausdrücklich ausgelegt – damit wir wissen, was damit gemeint ist …

Ballhorn: Ja, wir haben wenig Tradition damit. Aber die neue Literaturwissenschaft hat da in den letzten Jahren auch für uns Bibelwissenschaftler einiges bewegt. Dort hat man viele Jahrzehnte vor allem über die Autoren und

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