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Wehret dem Schlafwandeln

von Alexander Schwabe vom 11.10.2019
Der Angriff auf die Synagoge und die tödlichen Schüsse von Halle sind eine Attacke auf die Demokratie. Die Gesellschaft muss endlich verstehen, wie gefährdet sie ist.
Halle an der Saale: Trauernde legen an der Mauer der Synagoge Blumen nieder und zünden Kerzen an. (Foto: pa/dpa/Soeren Stache)
Halle an der Saale: Trauernde legen an der Mauer der Synagoge Blumen nieder und zünden Kerzen an. (Foto: pa/dpa/Soeren Stache)

Er war ein Einzeltäter. Das gibt es ab und zu. Legen wir uns wieder schlafen. Bis irgendwann erneut ein Einzeltäter zuschlagen wird. Auch dann wird es nicht anders sein: Wir werden wieder herunterbeten, die Sicherheitsvorkehrungen müssten verstärkt werden, wobei es absolute Sicherheit nicht gebe; wir müssten uns fragen, ob wir auf dem rechten Auge blind sind; müssten als Zivilgesellschaft enger zusammenstehen; es sei traurig, wir seien erschüttert. Dann ist wieder Ruhe. Bis zum nächsten Mal. Das wird kommen. Die Bild-Zeitung hievte den Täter bewaffnet und in voller Montur auf den Titel. Damit schenkte sie ihm die Aufmerksamkeit, die er haben will. Das Blatt stilisiert ihn so zum Helden und wäscht ihn rein. Ein Persilschein für den nächsten Killer. Der ist schon in der Spur. Bereitet dem Mörder den Weg!

Der Angriff auf die Synagoge in Halle ist keineswegs ein singulärer Vorfall. Der Täter mag allein gehandelt haben, doch sicher im Gefühl der Einheit mit einigen offen Gleichgesinnten in der rechten Szene – und, viel schlimmer, mit der leisen Zustimmung viel zu vieler, deren moralisches Gesetz in ihnen nicht mehr zu ihnen durchdringt. Menschenverachtung ist bereits zum politischen Programm geworden. Und findet bei einem deutlich zu großen Teil der Wählerschaft Unterstützung.

Lange hielt man offen antisemitische Neonazis in Schach. Sie waren leicht auszumachen. Waren in ihrem Erscheinungsbild – Glatzen, Springerstiefel und martialisches Auftreten – abstoßend. Platt und widerwärtig posaunten rechte Agitatoren ihre menschenfeindlichen Parolen hinaus. Heute gehen sie subtiler vor – und wirksamer: Sie lassen ihren Antisemitismus nicht mehr offen erkennen. Stattdessen pfropfen sie un

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