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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2018
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt
Der Inhalt:

Rekordhitze: Bauern entschädigen?

Es ist in Deutschland so heiß und trocken wie in kaum einem Jahr. Die Folgen für die Landwirtschaft sind gravierend. Die Erträge brechen ein, vor allem beim Getreide. Was tun? Muss die Politik den Bauern jetzt helfen? Uns interessiert Ihre Meinung! Argumente? Finden Sie im Pro und Contra von Detlef Kurreck und Silvia Bender
Soll man Deutschlands Bauern für ihre hitzebedingten Ernteausfälle entschädigen? »Ja!«, sagt Bauernverbandschef Detlef Kurreck (links). »Nein!«, meint Agraringenieurin Silvia Bender (rechts). (Fotos: BVMV/Ann-Katrin Hanell; BUND)
Soll man Deutschlands Bauern für ihre hitzebedingten Ernteausfälle entschädigen? »Ja!«, sagt Bauernverbandschef Detlef Kurreck (links). »Nein!«, meint Agraringenieurin Silvia Bender (rechts). (Fotos: BVMV/Ann-Katrin Hanell; BUND)

Detlef Kurreck: »Ja! Die Landwirte brauchen sofort Hilfe«

»Es ist die schwerste Dürre seit über zwanzig Jahren und schon werden diejenigen laut, die sagen, dass die »Agrarindustrie« nicht gerettet werden sollte. Doch die Wahrheit ist erstens: Jeder moderne Landwirt macht im Durchschnitt 145 Menschen satt, vor hundert Jahren waren es nur vier. Zweitens: Die Mehrheit der Betriebe ist auch im großstrukturierten Mecklenburg-Vorpommern in der Hand von einer oder mehreren Familien, von Müttern und Vätern, die sich Sorgen um ihre und die Zukunft ihrer Kinder machen. Drittens: Diese »Agrarindustrie« leistet jetzt schon enorm viel für die Gemeinschaft, den Natur- und Artenschutz – und das hat auch seinen Preis. Die Umsetzung von EU-Standards und -Auflagen sind für die deutsche Landwirtschaft mit Mehrkosten von 246 Euro je Hektar verbunden. Trotzdem konkurrieren sie auf dem Weltmarkt.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 14/2018 vom 27.07.2018, Seite 8
Geborgen und unbehaust
Geborgen und unbehaust
Was Religion über Heimat sagt

Jetzt, nach der katastrophalen Dürre rechnen Landwirte mit einem Schaden von durchschnittlich 350 Euro Verlust je Hektar, bei einem begrenzten, durchschnittlichen Markterlös von 1200 Euro pro Hektar. Abzüglich der oben genannten Kosten müssen jetzt das Saatgut für die nächste Ernte, die Pacht, die Mitarbeitergehälter, die Kredite, die Maschinen, Steuern und Versicherungen bezahlt werden. Nach der Milchkrise und der dritten schlechten Ernte in Folge ist die Situation zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern so angespannt, dass in geschätzt einem Drittel der Betriebe die Eigenmittel nicht reichen, um die nächste Saat zu finanzieren. Während vor hundert Jahren noch ein ganzes Volk von einer katastrophalen Ernte betroffen war, diskutieren wir heute, welche Form der Landwirtschaft wir in Zukunft eigentlich wollen. Eine Frage, die nur gestellt werden kann, weil ein Landwirt 145 Menschen satt macht. Jetzt braucht dieser Bauer schnelle Hilfen.«

Silvia Bender: »Nein! Die Landwirtschaft muss sich umstellen«

»Existenzbedrohende Dürre in 2018, Starkregen in 2017 – die Landwirtschaft leidet unter der zunehmenden Klimaerhitzung. Entschädigungszahlungen helfen nur kurzfristig. Zur Lösung des Problems trägt nur eine Landwirtschaft bei, die sich besser an die klimatischen Veränderungen anpasst und zur Minderung der globalen Treibhausgas-Emissionen beiträgt.

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Retten wir gemeinsam die Ökumene!/ mehr

Einer aktuellen Studie zufolge sind die fünf größten Fleisch- und Molkereikonzerne für mehr Treibhausgas-Emissionen verantwortlich als die großen Ölkonzerne – Tendenz steigend. Um die Pariser Klimaziele zu erreichen, müssen wir daher unseren Fleischkonsum und die Tierbestände deutlich reduzieren. Statt der exportorientierten Intensivhaltung muss eine Tierhaltung mit regionalen Nährstoffkreisläufen und tiergerechten Haltungsverfahren zum neuen agrarpolitischen Leitbild werden. Flankiert werden muss dieser Umbau mit staatlichen Fördermitteln und einer verpflichtenden Haltungskennzeichnung von Produkten.

Ökolandbau ist die klimaschonendere Bewirtschaftungsform, wie eine Vielzahl von Studien belegt. Schon seit Jahren verfolgt Deutschland das Ziel, zwanzig Prozent der Anbaufläche ökologisch zu bewirtschaften. Aktuell sind es erst 8,2 Prozent, obwohl die Nachfrage nach Bio boomt. Weitere Anstrengungen braucht es auch, um Grünland als CO2-Senke zu erhalten.

Mit diesen Herausforderungen dürfen wir als Gesellschaft Landwirtinnen und Landwirte nicht alleinlassen. Die Bundesregierung muss die Rahmenbedingungen setzen, um die Landwirtschaft klima- und umweltfreundlicher sowie tiergerechter zu machen. Dafür muss sie auch die sechs Milliarden Agrarsubventionen, die Deutschland jedes Jahr aus der EU erhält, nutzen.«

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Heidrun Meding
01.08.201812:04
Entschädigungen nur dort, wo kleinere landwirtschaftliche Betriebe vor dem Ruin stehen. Dies muß allerdings konkret nachgewiesen werden. Keine Entschädiungszahlungen an Agrarfabriken und landwirtschaftliche Großbetriebe, die sich weder um das Tierwohl noch um die Erhaltung unserer Umwelt (Unmengen Nitrat werden ins Grundwasser geleitet) kümmern.
Hier muß es klare Vorgaben geben. Gießkannenprinzip war gestern. Die Landwirtschaftslobbyisten dürfen sich nicht erneut durchsetzen. Hier gilt es, einen Riegel vorzuschieben,
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