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vom 21.02.2021
von Irmtraud Ewender
(Foto: Irmtraud Ewender)
(Foto: Irmtraud Ewender)

Kennst du das? Da rollt ein Ball auf dich zu und will angenommen, gespielt, jongliert, anderen zugespielt werden. Woher der Ball kommt, dass er ausgerechnet vor meinen Füßen landet – ist es Zufall? Spielt Gott mit und hat den Ball mir zukommen lassen – mit einem Augenzwinkern?

Ja, so ging es mir im ersten Lockdown, als uns die Enkelkinder nicht mehr besuchen durften. Da rollte eine Mail auf mich zu mit einem Regenschirmgebet, und ich spürte den Schubs.

Der Psalm 91, der Schirmpsalm war es, der mich inspirierte, meinen Enkelkindern einen handgeschriebenen Brief zu schreiben. Da schrieb ich von meiner Sehnsucht, mit ihnen zu spielen und sie bald wieder in die Arme zu schließen, und ich machte ihnen den Vorschlag, jeden Abend zwischen 19 und 20 Uhr wollen wir eine Kerze anzünden, aneinander denken und füreinander beten.

Dabei sollten sie sich einen riesigen bunten Regenschirm vorstellen, der wie ein Schutzschirm über die große Familie gespannt ist. Darunter zusammengekuschelt können sich die Großen und die Kleinen ihre Sorgen und Ängste, Freude, Hoffnung und die positiv erlebten Dinge mitteilen. Als kleine Hilfe oder wenn die Worte nicht einfallen sollten, schickte ich das Regenschirmgebet mit.

Lieber Gott,
alles ist anders.
Wir sollen zu Hause bleiben.
Viele Menschen sind besorgt.
Die neue Krankheit macht ihnen Angst.
Manchmal verstehe ich nicht ganz, was gerade passiert.
Aber ich weiß, dass du da bist und auf uns aufpasst.
Du bist wie ein großer Schirm über uns und beschützt uns.
Bitte beschütze auch …
(stell dir vor, sie setzen sich mit dir unter deinen unglaublich großen Schirm)
Schenke uns Mut und Zuversicht, lass uns heut gut schlafen.
Danke, dass du da bist.
Danke, dass wir eine Wohnung haben, danke, dass wir zu essen haben, danke … Amen

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Mit lieben Grüßen schloss ich den Brief, legte noch eine Bastelanleitung für einen Regenschirm mit dem Psalm-Text dazu und schickte ihn ab an meine drei Familien. Ich wartete gespannt auf eine Reaktion. Wie würde der Brief ankommen? Was würde er auslösen? Überraschung, Verwunderung, Freude, ein Lächeln…

Bei mir löste die Reaktion große Freude aus, denn in den nächsten Tagen kamen über WhatsApp Fotos und Videos, in denen die Kinder zusammengekuschelt beim Papa saßen, während er die Hände wie einen Schirm über sie hielt, und viele Regenschirm-Bilder erreichten mich. Es schien ein tägliches Ritual geworden zu sein, und ich freute mich jeden Tag, wenn es 19 Uhr wurde.

Für das Augenzwinkern bin ich unendlich dankbar.

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Alle Beiträge des Erzählprojektes »Die Liebe in Zeiten von Corona«

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