Zur mobilen Webseite zurückkehren

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 

Notre-Dame: Die brennende Seele von Paris

von Eva-Maria Lerch 16.04.2019
Das verheerende Feuer in der weltberühmten französischen Kathedrale macht deutlich: Die Institution Kirche mag out sein, doch die spirituellen Symbole und Orte bleiben den Menschen heilig. Wo sie zerstört werden, bricht ihnen das Herz
Die brennende Kathedrale: Mit Notre Dame ist das spirituelle Herz von Paris getroffen (Foto: pa/ABACA/Avenir Pictures/Serge Tenani).
Die brennende Kathedrale: Mit Notre Dame ist das spirituelle Herz von Paris getroffen (Foto: pa/ABACA/Avenir Pictures/Serge Tenani).

Notre-Dame stand in Flammen – und Paris fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Zehntausende Anwohner, Touristen und gläubige Katholiken standen am späten Montagabend im Dunkeln vor den Absperrungen. Sie beobachteten fassungslos das lodernde Feuer, das sich erbarmungslos durch den Dachstuhl der weltberühmten Kathedrale fraß und ihren schlanken Vierungsturm wie eine Kerze herunterbrennen ließ. Manche weinten, andere sangen das Ave Maria. Vor einer kleinen Kirche spielten zwei junge Frauen Geige. Auch außerhalb von Paris verfolgte die Welt per Internet und Fernsehen live und entsetzt den verheerenden Brand. Reporter standen grau und betroffen auf den Straßen, Moderatoren rangen um Fassung. Elf Stunden lang kämpften vierhundert Feuerwehrmänner verzweifelt um das spirituelle Wahrzeichen der französischen Metropole, retteten – zum Teil unter Lebensgefahr – ihre transportablen Heiligtümer. Und konnten am Dienstagmorgen immerhin bekannt geben, dass das Feuer unter Kontrolle und die Grundsubstanz von Notre-Dame, ihre Fassade und die beiden Haupttürme, gerettet worden waren.

Ein Ort der unbewussten Sehnsucht

Die tiefe Trauer und Anteilnahme um »Unsere Frau von Paris« macht deutlich, dass es hier nicht nur um ein Kulturdenkmal und kostbare Kunstgegenstände geht: Der Brand der Kathedrale trifft die Seele der Menschen und ihrer Stadt. Die Institution Kirche mag vielen nichts mehr bedeuten – ihre großen Symbole und Orte aber repräsentieren noch immer die oft unbewusste Sehnsucht nach Transzendenz, dem ganz Anderen, dem Heiligen inmitten der profanen Welt. Auch in einem laizistischen Staat wie Frankreich, wo Kirche und Staat streng getrennt sind und immer weniger Menschen sich zum christlichen Glauben bekennen, stellt ein Gebäude wie Notre-Dame de Paris das spirituelle Zentrum der Metropole dar. Wo sie zerstört wird, bricht den Menschen das Herz.

Anzeige

Meine Farben. Des Herzens Flammenglut

Es sind die Farben, mit denen wir Gefühle am besten mitteilen können. Wir sehen Rot vor Wut und werden gelb vor Neid. Und das Glück strahlt. . Was ist die Farbe des Lebens selbst? ... /mehr

»Ja, es ist nur ein Gebäude, aber – ganz abgesehen von den unermesslichen Kunstschätzen – es sind so viele Geschichten von Trauer und Trost, von Bedrängnis und Segen in seine Mauern eingeschrieben«, trauert der bayerische evangelische Bischof Heinrich Bedford-Strohm. »Dieses seit so vielen Jahrhunderten dastehende Wahrzeichen gibt eine intuitive Sicherheit, die beim Anblick des Feuers ins Wanken gerät«.

»Unsere Frau« wird auferstehen

Schon am Morgen danach, als die letzten Glutnester noch brannten und das Ausmaß der Zerstörung noch nicht beziffert werden konnte, war der Wille da, die Ruine wieder aufzubauen. Präsident Emmanuel Macron kündigte den Wiederaufbau an, die Kulturerbe-Stiftung Fondation du Patrimoine startete noch in der Nacht eine Spendensammlung, die Inhaberfamilie eines großen Modekonzerns will 100 Millionen Euro dafür bereitstellen. Notre Dame wird auferstehen.

Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an [email protected].

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.