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»Mondlied« mit Kindern aus dem Kosovo

vom 06.04.2020
von Maria Hoppe
(Foto: Privat)
(Foto: Privat)

Lorena, sieben Jahre, und Dorela, neun Jahre, sind die Kinder einer asylberechtigten Familie aus dem Kosovo.

Da ich bis zu meiner Krankheit vor zehn Jahren ehrenamtlich Asylbewerber betreute, kenne ich ihre Eltern schon aus dieser Zeit. Ihre Kinder wurden in Deutschland geboren, sie besuchen mich regelmäßig, was momentan nicht möglich ist.

Dorela fragte mich am Telefon: »Na, wie verbringst du deine Zeit, jetzt, wo du ›zu Hause bleiben‹ musst?«

»Ich habe meine Altflöte wieder hervorgeholt und versuche jetzt erst mal leichte Lieder zu spielen, weil meine Finger nicht mehr so schnell reagieren.

»Kannst du uns das Lied durchs Telefon hören lassen?«

»Nicht so gut, aber ich versuche es mit dem Kinderlied Der Mond ist aufgegangen ...«, antwortete ich.

»Wir kennen weder den Text noch die Melodie, aber es klingt gut. Gleich werden wir im Netz suchen, ob wir die Noten finden, denn ich spiele jetzt Gitarre.«

Wenige Stunden danach, bekam ich ein Video, auf dem zu sehen und zu hören war, dass Dorela mit der Gitarre musizierte und dazu sang und Lorena ihre schöne, kindliche Stimme hören ließ.

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Nun hatte ich im TV gesehen, dass allabendlich um 19.00 Uhr viele Menschen in Deutschland das Lied auf ihrem Balkon sangen und musizierten. Mich berührte besonders die letzte Strophe, mit der dem kranken Nachbarn ein ruhiger Schlaf gewünscht wurde.

So legt euch denn ihr Brüder,
in Gottes Namen nieder;
kalt ist der Abendhauch.
Verschon‘ uns, Gott! mit Strafen
und lass‘ uns ruhig schlafen!
und uns‘ren kranken Nachbarn auch!
(von Matthias Claudius )

Und schon waren sich Dorela und Lorena einig: »Wir beteiligen uns auch!«

Nun spiele ich (Christin, 77 Jahre) jeden Abend um 19:00 Uhr bei geöffnetem Fenster das Lied auf meiner Altflöte und die beiden Kinder, (Moslem, sieben und neun Jahre) etwa einen Kilometer von mir entfernt, auf ihrem Balkon das Mondlied.

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