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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Mit Gott überspringe ich Mauern

von Stephan Neumann vom 26.01.2019
Amerikas Präsident will eine Mauer zu Mexiko errichten. Europa baut seine Festungsanlagen aus. Warum wir gerade jetzt die Bibel als Fluchtgeschichte lesen sollten
Blick ins »Gelobte Land«: Migranten auf der Grenzmauer zwischen USA und Mexiko in Tijuana. (Foto: pa/AP/Bull)
Blick ins »Gelobte Land«: Migranten auf der Grenzmauer zwischen USA und Mexiko in Tijuana. (Foto: pa/AP/Bull)

Sie haben es geschafft. Hinter ihnen liegen Wochen des Marschs, unsagbare Entbehrungen, aber auch unerwartete menschliche Hilfe am Wegesrand. Stets begleitet von Reportern und Filmteams, beobachtet von Zehntausenden Reichen im Norden an den Bildschirmen ihrer heimeligen Wohnstuben. Jetzt stehen sie an der Grenze. Doch schwer bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren im Anschlag versperren ihnen unerbittlich den Weg.

Zu einem solchen bildgewaltigen Showdown ist es an der Grenze zwischen Mexiko und den USA nicht gekommen. Das eingangs skizzierte Bild hat der britische Regisseur David Wheatley bereits 1990, also vor fast dreißig Jahren, in seinem Film »Der Marsch« geschaffen. Zehntausende machen sich aus einem sudanesischen Flüchtlingslager nach Europa auf. »Damit ihr seht, wie wir sterben«, klagt der charismatische Anführer Isa El-Mahdi an. Er legt den Finger in die Wunde, wenn er die abgöttische Liebe der Reichen zu ihren Haustieren in Beziehung zu ihrer Gleichgültigkeit gegenüber ihren Mitmenschen setzt: »Es heißt, eine Katze kostet mehr als 200 Dollar pro Jahr. Lasst uns nach Europa kommen als eure Haustiere. Wir könnten Milch trinken, wir könnten eure Hand lecken. Wir könnten schnurren. Und wir sind viel billiger zu füttern.«

4000, 7000 oder 17 000? Die Zahlen der Menschen aus Honduras, El Salvador und Guatemala, die sich in sogenannten Karawanen gemeinsam seit Oktober 2018 aufgemacht haben, um in den USA bessere Lebensbedingungen zu finden, schwanken bis heute. Das gilt für den Anteil an Kindern, die Routen sowie die Fragen, wie viele von ihnen das mexikanische Asylangebot angenommen haben und wie viele bis heute an der Grenze zu den USA ausharren. Was allen Zahlen gemeinsam ist: sie können kaum

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