Zur mobilen Webseite zurückkehren

Küng: Radikaler Wandel mit Franziskus

von Britta Baas vom 15.03.2013
Der neue Papst überrascht die Welt mit Demut und einem sympathischen Hang zur Unabhängigkeit: Seine Koffer trägt er selbst, und lieber als Limousine fährt er U-Bahn. Ob das lange so bleibt? Und ob es die Kirche verändert? Sieben Fragen an den Theologen und Vatikan-Kenner Hans Küng
Hans Küng (Foto) über Franziskus im Vergleich mit Benedikt: "Es ist bereits nach den ersten Tagen ein radikaler Wandel zu sehen. Das gibt Hoffnung, dass der neue Papst auch noch zu weiterem Wandel fähig ist." (Foto: pa/Hoermann/Simon)
Hans Küng (Foto) über Franziskus im Vergleich mit Benedikt: "Es ist bereits nach den ersten Tagen ein radikaler Wandel zu sehen. Das gibt Hoffnung, dass der neue Papst auch noch zu weiterem Wandel fähig ist." (Foto: pa/Hoermann/Simon)

Herr Professor Küng, der neue Papst punktet mit bescheidenem Auftreten und Einsatz für die Armen. Wird dies ein Pontifikat des radikalen Wandels?

Hans Küng: Es ist bereits nach den ersten Tagen ein radikaler Wandel zu sehen. Das gibt Hoffnung, dass der neue Papst auch noch zu weiterem Wandel fähig ist.

Die Wahl Jorge Mario Bergoglios hat signalisiert: Die römisch-katholische Kirche löst sich vom Eurozentrismus. Kann das einem europäischen Reformtheologen wie Ihnen eigentlich recht sein?

Hans Küng: Das ist mir selbstverständlich sehr recht. Ich bin schon zwischen 1962 und 1965 als Konzilstheologe ständig mit den Fragen der Weltkirche und der Weltreligionen beschäftigt gewesen. Im Verlauf meines Lebens bin ich mehrmals rund um die Welt gereist und habe mich früh – unter anderem in meinem Buch »Christ sein« von 1974 – für die Befreiungstheologie eingesetzt und eine gesellschaftskritische Theologie praktiziert.

Sie sagen also: Gut, dass mit einem Papst aus Lateinamerika ein Signal für die Weltkirche gesetzt ist?

Hans Küng: Ja. Andere, die für das Papstamt vorgeschlagen wurden, haben mir Angst gemacht. Diese Papabili aus Mailand, aus Kanada, aus den USA hätten die Restauration fortgesetzt. Schon die ersten Auftritte von Papst Franziskus haben gezeigt, dass er mit dem Papstpomp Schluss machen will, der den Pontifikat Benedikts charakterisiert hat.

Jorge Mario Bergoglio ist aus europäischer Sicht eine ambivalente Persönlichkeit. Einerseits faszinieren seine Bescheidenheit, Offenheit und klare Kritik am entfesselten Kapitalismus. Andererseits hat er, was ethis

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen