Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Ausdruck entstammt der Darstellung Ihres Browsers. Artikeltexte bekommen Sie schöner, weil komplett gestaltet, ausgedruckt mit einem Digital-Zugang, der noch weitere Vorteile hat. Infos dazu finden Sie unter https://www.publik-forum.de/premium.

Die Zeitschrift, die für eine bessere Welt streitet ...Ausgabe lesen

kritisch • christlich • unabhängigzur aktuellen Ausgabe

 
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2018
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Der Inhalt:

Gewissensfreiheit, dringend gesucht

Dürfen evangelische Christen an der katholischen Kommunion teilnehmen? Die katholischen Bischöfe Deutschlands sagen »Jein«. Nach wochenlangem Streit schließen sie einen seltsamen Kompromiss. Er ist kein Signal für mehr Ökumene. Die Petition »Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!« haben mittlerweile viele Tausend unterzeichnet
Papst Franziskus hat von Rom aus den Kommunion-Streit unter den deutschen Bischöfen befriedet: Die Ökumene hat er damit leider nicht vorangebracht. (Foto: pa/Stefano Spaziani)
Papst Franziskus hat von Rom aus den Kommunion-Streit unter den deutschen Bischöfen befriedet: Die Ökumene hat er damit leider nicht vorangebracht. (Foto: pa/Stefano Spaziani)

Im Februar 2018 hatte alles begonnen, und im Grunde steht die Deutsche Bischofskonferenz nun, Anfang Juli, wieder genau dort, wo alles begann. Dürfen evangelische Partner in konfessionsverbindenden Ehen zur Kommunion zugelassen werden? Mit Dreiviertelmehrheit hatten die Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung dafür gestimmt. Eine Handreichung wurde formuliert, die in allen deutschen Bistümern und Gemeinden verbindliche Orientierung bieten sollte: Darin stand, dass »ein persönlich verantworteter« Weg jedem Christen offenstünde, dass »Eheleute, die in einer konfessionsverbindenden Ehe leben, in pastoraler Begleitung zu einer Gewissensentscheidung kommen können« und dass sie dieser »öffentlich in der katholischen Kirche Ausdruck verleihen« dürften und sollten.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2018 vom 06.07.2018, Seite 33
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität
Die geheimnisvolle Kraft der Kreativität

So weit, so gut. Doch dann machte ein Brandbrief von sieben mit der Abstimmung unzufriedenen Bischöfen nach Rom alles zunichte. Unter Federführung des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki wurde die Rechtmäßigkeit der Abstimmung angezweifelt: Es handele sich nicht um eine seelsorgliche, sondern um eine die Katholizität der Kirche betreffende Frage. Ein Protestant könne nur an der Kommunion teilnehmen, wenn er auch katholisch werden wolle. Der Vatikan solle die Bischofsmehrheit in Deutschland von einem Irrweg abbringen.

Es folgten diplomatische Gespräche in Rom (Publik-Forum 12/2018), danach schrieb der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Luis Ladaria, Ende Mai an Kardinal Reinhard Marx. Die Post erreichte München Anfang Juni. Sie enthielt ein großes »Stopp« für Gewissensfreiheit am Tisch des Herrn. Das Papier der Bischofskonferenz sei »nicht zur Veröffentlichung reif«.

Anzeige

Petition an den Papst: Jetzt unterschreiben!

Keine Ausgrenzung am Tisch des Herrn!

Retten wir gemeinsam die Ökumene!/ mehr

Umso interessanter ist es jetzt, dieses Papier doch öffentlich zu lesen. Publiziert wurde es zu aller Überraschung am 27. Juni – nach einem Vier-Augen-Gespräch zwischen Marx und dem Papst. Franziskus hatte offenbar keine Chance für eine einmütige Regelung zwischen beiden Lagern gesehen. Und so wandte Marx mit dem Segen des Papstes einen Trick an, den er »Kompromiss« nennt: Der Wortlaut der »Pastoralen Handreichung zur Frage konfessionsverbindender Ehen und gemeinsamer Teilnahme an der Eucharistie« wurde öffentlich gemacht – aber nicht als Konsensdokument der Bischofskonferenz. Stattdessen darf man das Papier als Dokumentation einer Suchbewegung verstehen. Die Nutzung – oder Nicht-Nutzung – wird nun jedem Bischof überlassen. Jene Bischöfe, die von Anfang an dagegen waren, können die Handreichung auch im Kamin ihrer Bischofswohnung verbrennen – oder sie im Tiefkühlfach auf Eis legen. Auf jeden Fall müssen sie sie nicht ernst nehmen.

Auf diese Weise wird ein entscheidendes Signal für mehr Ökumene in Deutschland nicht gesetzt. Das Signal hätte katholischerseits aus der Bereitschaft bestehen müssen, bischöfliche Entscheidungsmacht abzugeben – zugunsten der Gewissensfreiheit jedes einzelnen Christen, jeder einzelnen Christin. Der katholische Ökumenebischof Gerhard Feige sagt, einige Amtskollegen wollten leider »um jeden Preis«, dass »das Lehramt beziehungsweise die Bischöfe die Regeln aufstellen«.

Der Papst hat das nicht geändert. Als »13. Fee« hat er – wie im Märchen von Dornröschen – den Streit unter den Bischöfen zwar abgemildert. Doch den Mehrheitsbeschluss der Bischofskonferenz bestätigte er nicht. Kirchenrechtlich wäre das möglich gewesen, sagt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller. Papst Franziskus hat jene enttäuscht, die hofften, er werde die Gewissensfreiheit des Einzelnen und nicht die »Regeln von oben« stärken.

Kommentare
Ihr Kommentar
Noch 1000 Zeichen
Wenn Sie auf "Absenden" klicken, wird Ihr Kommentar ohne weitere Bestätigung an Publik-Forum.de verschickt. Sie erhalten per E-Mail nochmals eine Bestätigung. Der Kommentar wird veröffentlicht, sobald die Redaktion ihn freigeschaltet hat. Auch hierzu erhalten Sie ein E-Mail. Siehe dazu auch Datenschutzerklärung.

Mit Absenden des Kommentars stimmen Sie der Verarbeitung Ihrer Daten zur Bearbeitung des Kommentars zu. Zum Text Ihres Kommentars wird auch Ihr Name gespeichert und veröffentlicht. Die E-Mail-Adresse wird für die Bestätigung der Bearbeitung genutzt. Dieser Einwilligung können Sie jederzeit widersprechen. Senden Sie dazu eine E-Mail an datenschutz@publik-forum.de.

Jeder Artikel kann vom Tag seiner Veröffentlichung an zwei Wochen lang kommentiert werden. Publik-Forum.de behält sich vor, beleidigende, rassistische oder aus anderen Gründen inakzeptabele Beiträge nicht zu publizieren. Siehe dazu auch Netiquette.
Kurt Schwander
11.07.201810:58
Gemäss Transsubstantiations-Dogma soll ja Christus in der Kommunion leibhaftig präsent sein. Wenn die katholische Kirche dies ernst nimmt bzw ernst nehmen würde, müsste sie es logischerweise Christus selbst überlassen, zu entscheiden, bei wem er 'einkehren' will. Oder hat sich Christus einfach dem Kommando der katholischen Kirche zu fügen? Oder anders gesgt: wenn die katholische Kirche nicht will, dass eine nicht katholische Person die Kommunion einnimmt, dann hat sich Christus gefälligst von dieser Person zurückzuziehen bzw. die Wandlung bei dieser Person ungeschehen zu machen....
Paul Haverkamp
08.07.201816:59
Joh. Paul II. am Januar 1982:

„Dem Gewissen Gewalt anzutun ist ein schwerer Schaden, der dem Menschen zugefügt wird. Es ist der schmerzlichste Schlag gegen die Menschenwürde, ja in gewissem Sinne schlimmer als der psychische Tod, als die Tötung eines Menschen : „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten...“(Mt 10,28), hat Christus gesagt und so gezeigt, dass die Vergewaltigung des menschlichen Geistes, des menschlichen Gewissens ein viel größeres Übel ist.

Das Prinzip der Gewissensfreiheit ist ein Grundrecht des Menschen, das die Verfassungen und internationalen Abkommen garantieren. Zusammen mit allen Menschen guten Willens erhebe ich meine Stimme zu Gott, damit das Gewissen meiner Landsleute nicht unterdrückt werde.“

Die Gewissensentscheidung muss immer die letzte Instanz menschlichen Handelns bleiben! Dieselbe ist jedem Dogmatismus reformfeindlicher Amtskirchenvertreter übergeordnet!

Paul Haverkamp, Lingen
Heidrun Meding
08.07.201811:02
Dieser ganze Kommunionstreit dient der römischen Kurie im Grunde nur dazu, die Bewegung der Ökumene zu stoppen und eine neue Strategie zu starten: Alle christlichen Kirchen sollen heimgeholt werden "in den Schoß der römisch-katholischen Kirche".
Ex-Papst Joseph Ratzinger hatte ja bereits vor Jahren entsprechende Äußerungen getätigt und betont, es gebe nur eine wirklich christliche Kirche, seine römisch-katholische.
Also sollte künftig jede und jeder nach seiner Fasson selig werden. Es geht im übrigen auch ganz ohne jede Kirche. Das kann ich nur bestätigen, denn ich kehrte der Catholica vor inzwischen rund 30 Jahren den Rücken und lasse mich von Bevormundungen aus Rom oder anderswo nicht mehr beeindrucken.
Newsletter bestellen
Melden Sie sich kostenlos für den regelmäßigen Newsletter von Publik-Forum mit aktuellen Neuigkeiten und Zusatzinformationen an.