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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 24/2014
Handeln, als ob es das Gute gäbe
Weihnachten
Der Inhalt:

Die Häutung der Annette Schavan

von Thomas Seiterich vom 30.12.2014
Wer könnte besser Auskunft geben über den spirituellen Mut zu Abschied und Neubeginn? Annette Schavan war eine der mächtigsten Politikerinnen – bis zu ihrem Rücktritt vom Ministeramt. Nun vertritt sie Deutschland beim Papst in Rom. Ein Gespräch
»Was hilft beim neu Anfangen? Neugier und Gottvertrauen«, findet Annette Schavan, die jetzt in Rom lebt und arbeitet. (Fotos: Romano Siciliani)
»Was hilft beim neu Anfangen? Neugier und Gottvertrauen«, findet Annette Schavan, die jetzt in Rom lebt und arbeitet. (Fotos: Romano Siciliani)

Publik-Forum: Frau Schavan, Sie haben spektakuläre Höhen und Tiefen hinter sich. Nach der umstrittenen Aberkennung Ihres Doktortitels traten Sie 2013 als Bundesbildungsministerin zurück. Nun sind Sie Vatikan-Botschafterin in Rom. Was fällt schwerer: Abschiednehmen oder neu Anfangen?

Annette Schavan: Aufbruch ist das lachende Auge, zum Abschied gehört das weinende Auge. Ich habe achtzehn Jahre lang als Ministerin gestaltet, so lange wie nur wenige andere. Erst im Land, dann im Bund. Das legt man nicht wie einen Mantel an der Garderobe ab. Am 29. Juni, dem letzten Tag im Parlament, habe ich bei den Kolleginnen und Kollegen noch einmal deutlich gespürt, dass es ein Abschied von Menschen ist, mit denen ich über eine lange Zeit zusammengearbeitet habe. Das heißt immer auch: sich austauschen, viel voneinander wissen, Konflikte gestalten. Ich versuchte immer, diese hart in der Sache, aber mit Respekt auszutragen. Dafür wurde ich anerkannt, auch von politischen Gegnern.

Früher rief schon morgens früh um sechs der Deutschlandfunk an und wollte ein Statement. Heute nicht mehr.

Schavan: Der Abschied von der politischen Bühne ist mir leichtgefallen. Bei mir stand bald der Aufbruch im Vordergrund – und der Zugewinn an Lebensqualität.

Was ist für Sie Lebensqualität?

Schavan: Für mich überraschend und eine große Veränderung: ein neuer Umgang mit der Zeit. Als Ministerin habe ich in einem schnellen Takt gelebt. Jetzt sitze ich manchmal auch eine zweite Stunde in einem Gespräch. Ich kann mich in Themen vertiefen, und das ist schön.

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Kommentare
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Hanna Leinemann
02.01.201522:01
Dies Interview läßt mich ratlos zurück; worin besteht die Häutung?
Heidrun Meding
31.12.201417:43
Annette Schavan war und ist die typische Karrierefrau, die politische Ämter für ihr Ego einfach benötigt.
Das gleiche galt für den Doktorgrad. Es ging ihr bei der Anfertigung ihrer Dissertation offenbar nicht um den "wissenschaftlichen Fortschritt", sondern um Glanz und Dünkel.
Deutsche Botschafterin im Vatikanstaat ist ein Traumjob, allerdings auch eine "Abschiebeposition".
Die normale Bürgerin, der normale Bürger fragt sich einmal mehr: muß dies sein? Warum müssen Politikerinnen und Politikerinnen immmer auf "Versorgungspositionen" hochbefördert werden?
Der Staat als Selbstbedienungsladen? Offenbar immer noch und immer wieder!
Diethelm Busse
30.12.201419:12
Die Aberkennung des Dr.- Grades war nicht umstritten, sondern nach mehrfachen Über- prüfungen gerechtfertigt!
Ich bezweifle, daß sie Deutschland vertreten kann (welches Deutschlandbild ?).
Und brauchen wir das? wir können uns selbst vertreten. Ein typischer "Abschiebeposten" von Merkel. D. Busse