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Der Kirchentag legt sich fest

von Thomas Seiterich vom 19.06.2019
Auf der Suche nach Vertrauen in verunsicherter Gegenwart entscheiden sich die Macher des Evangelischen Kirchentags für klares Profil: gegen Israelkritik und gegen Dialog mit Rechtspopulisten, den die Leitung des großen Christentreffens als »naiv« bewertet. Er war beim Kirchentag vor zwei Jahren in Berlin erstmals praktiziert worden
Wenn Kirchentag Vertrauenssache sein soll, muss er Profil zeigen: Das haben sich offenbar die MacherInnen gedacht. Und so geht es am 19. Juni in Dortmund scharfkantig los ... (Gafik unter Verwendung eines Motivs von © Deutscher Evangelischer Kirchentag)
Wenn Kirchentag Vertrauenssache sein soll, muss er Profil zeigen: Das haben sich offenbar die MacherInnen gedacht. Und so geht es am 19. Juni in Dortmund scharfkantig los ... (Gafik unter Verwendung eines Motivs von © Deutscher Evangelischer Kirchentag)

Gleich nach der Eröffnungspressekonferenz im Stadion von Borussia Dortmund eilen Kirchentagspräsident Hans Leyendecker und die Generalsekretärin des Kirchentags, Julia Helmke, zur »Steinwache«, einer ehemaligen Nazi-Folterstätte unweit vom Südausgang des Dortmunder Hauptbahnhofes. Im Polizeigefängnis Steinwache wurden zwischen 1933 und 1945 Tausende inhaftiert und gefoltert. Gegenüber dem gedrungenen Bau erinnert ein Mahnmal auch an die Opfer des rechtsextremen NSU. Im Dortmunder Norden wurde der Kioskbesitzer Mehmet Kubasik von NSU-Tätern erschossen. Bis heute hat die rechtsextreme Szene in Dortmund eine Hochburg, aber viele Bürger – darunter viele evangelische und katholische Christen – stellen sich ihr entgegen.

»Hören auf das Vergangene, Vertrauen und Handeln heute« ist dieses Gedenken zu Beginn übertitelt. Seit dreißig Jahren gestalten die Kirchentage ihren Auftakt in Erinnerung an die Opfer rechtsextremer oder nationalsozialistischer Gewalt.

Rund 1000 Menschen jeden Alters sind zur Auftaktveranstaltung mit szenischen Lesungen, modernem Ballett und Reden gekommen. Sie ist ein Hochsicherheits-Event: Zwei Dutzend Polizeiwagen sind an den Straßeneingängen zu dem Platz postiert. Am Südausgang des Hauptbahnhofs und anderenorts wachen zahlreiche Polizeibeamte und Polizistinnen.

Baruch Babaev, der Rabbiner der jüdischen Kultusgemeinde von Dortmund, ergreift nach der Begrüßung durch Kirchentagspräsident Leyendecker das Wort. »Die Stimmen des Hasses werden lauter«, warnt der Rabbi. »Es ist der Hass auf uns Juden von rechts wie von links.« Der linke Hass bestehe in der Boykott-Disinvestment-Sanction-Bewegung BDS.

BDS boykottier

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