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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 22/2014
Bildung statt Bologna!
Was die europäische Studienreform angerichtet hat
Der Inhalt:
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Der Himmel auf Erden

von Britta Baas vom 21.11.2014
Ewiges Leben: Was ist das eigentlich? Vielleicht kann das nur jemand begreifen, der schon mal auferstanden ist, mitten im Leben. So wie Frau Bluhm
Am 1. August geschieht ein Wunder. Gesine Geiger glaubt zuerst, sich verhört zu haben. Die stumme Frau Bluhm spricht. Nur ein Wort. ›Danke‹.(  Foto: photocase/Lovepool)
Am 1. August geschieht ein Wunder. Gesine Geiger glaubt zuerst, sich verhört zu haben. Die stumme Frau Bluhm spricht. Nur ein Wort. ›Danke‹.( Foto: photocase/Lovepool)

Als Gesine Geiger* angerufen wird, liegt Frau Bluhm* im Sterben. Das Pflegeheim hat sich wie immer in solchen Fällen an den Hospizdienst gewandt. Gesine Geiger ist heute dran, sie steht im Dienstplan der ehrenamtlichen Sterbebegleiter.

Frau Bluhm liegt im Bett. Sie ist 71 Jahre alt, klein und zart, fast wie ein Kind. Seit einem Schlaganfall kann sie nicht mehr sprechen. Gesine Geiger setzt sich ans Bett, nimmt Frau Bluhms Hand. Leise sagt sie: »Frau Bluhm, ich bin die Frau Geiger. Ich bin jetzt bei Ihnen. Hören Sie mich?« Frau Bluhm schaut Gesine Geiger sehr aufmerksam an. Dann nickt sie.

Über lange Zeit bleibt dies das Einzige, was geschieht. Gesine Geiger hat gelernt zu schweigen, Sterbenden nichts aufzudrängen, aber doch auf jede kleine Geste zu achten. Als Frau Bluhms Hände wild in der Luft herumzurudern beginnen, nimmt sie sie fest und warm in die ihren. »Keine Angst, Frau Bluhm«, sagt sie. Sie weiß, dass diese kleine, dünne Frau dort im Bett eine evangelische Christin ist. Deshalb fragt sie vorsichtig: »Möchten Sie beten?« Frau Bluhm möchte. Und so spricht Gesine Geiger ein Gebet: »Vater unser im Himmel, dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden …« Später singt sie ihr leise etwas vor. Dann erzählt sie ihr etwas. Irgendetwas Schönes. Frau Bluhm lächelt. Und schläft ein.

»Wir wissen nichts. Wir müssen auf leeres Gerede verzichten«

Sterben. Ein Wort, an das die meisten Menschen nicht gerne denken. Sterben. Das kann bitte irgendwann später passieren. Dann, wenn man lebenssatt ist und nicht mehr viel zu erwarten hat. Und wenn man empfän

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