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»Ein fürchterliches Unglück«

von Christian Modehn vom 13.02.2009
Für ihn ist das Maß voll: Jean-Pierre Wils verlässt die Kirche. Fragen an einen Theologen, der diesem Papst den Rücken kehrt

Herr Professor Wils, wann sind Sie aus der römisch-katholischen Kirche ausgetreten?

Jean-Pierre Wils: Ich hatte einen Tag vor dem Holocaust-Gedenktag, Ende Januar, einen Vortrag gehalten, bei dem auch ein Überlebender der KZs anwesend war. Mir war inzwischen bekannt, welchen unverantwortlichen Unsinn dieser Bischof Williamson gesagt hatte. Wie konnte ich da noch katholisch bleiben, wenn jetzt Holocaust-Leugner ganz offen zur römischen Kirche gehören sollen? Ich spürte in meinem Gewissen, dass ich zu dieser Kirche nicht mehr gehören kann. Ich wusste, sonst verliere ich meine Selbstachtung auch als Theologe. Am 28. Januar habe ich dann beim Amtsgericht Kleve gegen eine Gebühr von dreißig Euro meinen Kirchenaustritt vollzogen.

Warum hat Sie die Rehabilitierung der vier traditionalistischen Bischöfe persönlich so erschüttert?

Wils: Für mich ist das ein furchtbares Ereignis. Es war aber eher der Anlass für meinen Austritt, nicht die Ursache. Mit der Rehabilitierung dieser Leute war das Maß sozusagen voll: Die Kirche im Ganzen hat sich ja konservativ gewendet in den letzten Jahren, was ich ablehne. Aber wenn jetzt auch noch die Piusbrüder offiziell dazugehören, die Menschenrechte ablehnen und früher Sympathien für südamerikanische Diktatoren bekundeten, die faschistoide Denkbilder haben, dann wird die Kirche noch weiter ins reaktionäre Fahrwasser kommen. Stellen Sie sich doch vor, diese Leute halten das Zweite Vatikanische Konzil für das Werk von Freimaurern und »der jüdischen Lobby«! Ich habe das Gefühl, jetzt passiert ein fürchterliches Unglück in der Kirche.

Mit Ihrem Kirchenaustritt wird der Kreis kritischer Katholiken noch kleiner. Sie verzichten auf die Mitarbeit an innerkirchlichen Reformen. Ist Ihnen das egal?

Wils: Jeder muss überlegen, wie weit seine Energie reicht, um innerhalb der Kirche für Reformen einzutreten. Ich habe diese Energie nicht mehr, es geht ja auch um mein Leben. Der neue Erzbischof von Utrecht, Willem Eijk, auch er ein Ethiker, hat zum Beispiel andere theologische Auffassungen als ich. Aber er als Bischof betrachtet seine persönliche Überzeugung als sakrosankt, als Ausdruck göttlicher Offenbarung, mit dem Stempel der Vorsehung versehen. Da gibt es keine Diskussionen! Also: Ich respektiere alle, die weiter innerhalb der Kirche für Reformen eintreten wollen. Aber ich kenne die Kirche gut genug von innen, um jetzt diesen Schlussstrich zu zie

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