Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 16/2014
Frieden schaffen – mit Gewalt?
Der Inhalt:

»Weg von all dem Wohlstandsschrott«

vom 04.09.2014
Wie kann eine Wirtschaft ohne Wachstum aussehen und verwirklicht werden? Darüber hat Dirk Farke mit Niko Paech gesprochen, dem konsequentesten aller Wachstumskritiker
Niko Paech: »Vieles, was wir materiell genießen, ist das Resultat dreister Aneignung..« (Foto: pa/Schindler)
Niko Paech: »Vieles, was wir materiell genießen, ist das Resultat dreister Aneignung..« (Foto: pa/Schindler)

Publik-Forum: Herr Paech, was heißt für Sie Befreiung vom Überfluss?

Paech: Wir müssen weg von elektrischen Küchengeräten, Wellness-Rezepturen, Flugreisen, Tiefseehäfen – weg von all dem Wohlstandsschrott, der nur unser Leben verstopft. So sparen wir Zeit, Geld, Raum und ökologische Ressourcen. Außerdem geht es darum, unabhängiger von geldbasierter Fremdversorgung zu werden. Eigenarbeit ist angesagt! Wer durch handwerkliche und manuelle Versorgungsleistungen ohne Geld produktiv ist, und zwar sowohl für sich selbst als auch für das nahe soziale Umfeld, schlägt drei Fliegen mit einer Klappe: Erstens ist es der beste Selbstschutz gegenüber zukünftigen Ressourcenknappheiten, die das aktuelle Wohlstandsmodell unbezahlbar machen. Zweitens schützen wir die Umwelt, und drittens mildern wir strukturell Wachstumszwänge, die einem geldbasierten, arbeitsteiligen Industriemodell innewohnen.

Übertrieben gesprochen, hört sich das nach einem zwangsverordneten Hartz-IV-Programm an.

Paech: Die Dramatik der Abhängigkeit von Geldeinkommen besteht doch zu einem großen Teil darin, dass moderne Konsumgesellschaften jede Kultur der Selbstversorgung zerstört haben. Wir sind so vornehm geworden, dass alles, was sich außerhalb der Konsumlogik befindet, als Armut und Zumutung empfunden wird.

Das sehen Betroffene, die spätestens in der zweiten Monatshälfte nicht mehr wissen, womit sie ihre Lebensmittel bezahlen sollen, wohl etwas differenzierter. Viele Menschen sehen darin einen Rückschritt.

Paech: Ich sehe es als Fortschritt, wenn wir uns von der sklavischen Abhängigkeit des

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Kommentare
Der Kommentierungszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen, daher können Sie ihn leider nicht mehr kommentieren.
g.f.
24.09.201421:27
Ich sehe keinen Weg wie man sich daraus befreien kann.In meinen Augen ist das auch gar nicht mehr möglich. Wir sind alle eingebunden in ein Wirtschaftssystem das nur funktioniert wenn wir konsumieren. Man kann nur dann etwas aendern wenn es Alternativen gibt. Allerdings müssen wir uns selbst fragen ob es immer der neueste technische Schnickschnack sein muß und doch aendern kann ich nur bei mir.