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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 21/2012
Gefährlicher Reichtum
Warum wir eine gerechte Verteilung brauchen
Der Inhalt:

Halbnackt im Internet

von Susanne Bach vom 18.11.2012
Die Privatsphäre schwindet rasant. Selbst Intimes wird via Fernsehen oder Internet der Öffentlichkeit preisgegeben. Zwar gibt es zugleich eine neue Sehnsucht nach dem Rückzug ins Private. Doch auch die hat ein doppeltes Gesicht
Wir beobachten und werden beobachtet: Die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben verwischen immer mehr.  (Foto: freshidea - Fotolia)
Wir beobachten und werden beobachtet: Die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben verwischen immer mehr. (Foto: freshidea - Fotolia)

Bestellt man sich im Internet das Buch »Kochen für Faule«, den Roman »Geheimes Verlangen« oder die Papstbiografie, fragt der große, bekannte Online-Buchhändler, ob man diesen Kauf per Facebook oder Twitter allen Freunden und Bekannten mitteilen möchte. Banales wird öffentlich.

Anna hat, so bekennt sie unter Tränen in einer Nachmittags-Talkshow, nicht nur den Ehemann mit seinem besten Freund betrogen, nein, sie hat sich auch noch eine seltene Geschlechtskrankheit dabei eingefangen. Beide Männer warten hinter der Bühne auf ihren Auftritt. Den Grund für die Einladung haben sie vorher angeblich nicht erfahren. Intimes wird öffentlich.

Privatsender ist bei der Geburt eines Kindes dabei

Karin schreit sich die Seele aus dem Leib, die Wehen werden immer stärker. Sie klammert sich an den blassen Ehemann, dem vor Aufregung die Gesichtsmuskeln zucken. »Jetzt pressen«, sagt die Hebamme, und die Kamera zoomt auf die Körperöffnung, in der schon die dunklen Haare der kleinen Elisa zu sehen sind. Ihre Geburt wird auf einem Privatsender zu sehen sein. Privates wird öffentlich.

Mit 16 mal auf dem Oktoberfest abgestürzt, verprügelt worden, den Rausch halb bekleidet in der Gosse ausgeschlafen? Bitter, kann man aber verbuchen unter der Rubrik Lebenserfahrung. Diese Jugendsünden sind heute sowohl dem neuen Arbeitgeber, einer biederen Anwaltssozietät im besten Viertel Hamburgs, als auch der neuen Freundin, einer Bankerin aus Zürich, zug

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