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Gegen Dunkelheit hilft nur das Licht

von Wolfgang Kessler vom 07.03.2016
Hessen hat gewählt: In vielen Stadt- und Kreisparlamenten sitzen nun Abgeordnete der Alternative für Deutschland. Die große Zahl der Stimmen für die AfD ist alarmierend. Lange Schatten fallen auf die kommenden Landtagswahlen. Doch die Probleme liegen anderswo
Wählen, aber wie? Für immer mehr Menschen bleibt die Wahlkabine dunkel; sie wählen gar nicht. Die Folge: Rechtspopulisten gewinnen gewaltig, wie jetzt bei den Kommunalwahlen in Hessen. Wolfgang Kessler ärgert sich über gelangweilte Bürger.  (Fotos: pa/dpa/Frank Rumpenhorst; Publik-Forum)
Wählen, aber wie? Für immer mehr Menschen bleibt die Wahlkabine dunkel; sie wählen gar nicht. Die Folge: Rechtspopulisten gewinnen gewaltig, wie jetzt bei den Kommunalwahlen in Hessen. Wolfgang Kessler ärgert sich über gelangweilte Bürger. (Fotos: pa/dpa/Frank Rumpenhorst; Publik-Forum)

Kein Zweifel, die zweistelligen Prozentzahlen der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) in vielen hessischen Kommunen sind alarmierend. Insbesondere im multi-kulturellen Frankfurt, das ich als sehr tolerant erlebe.

Erschreckend sind für mich jedoch weniger die vielen Stimmen für die AfD als die wenigen Stimmen für die anderen Parteien. Und mindestens ebenso erschreckend ist, dass die anderen Parteien – aber auch die Zivilgesellschaft – der Hetze gegen die Fremden und gegen das Fremde nur wenig entgegenstellen.

Autoritäre Gedanken, wachsender Egoismus

Eigentlich sind Wahlergebnisse von zehn Prozent für sehr rechte Parteien nicht so überraschend. Zehn Jahre lang hat der Sozialforscher Wilhelm Heitmeyer – genau von 2002 bis 2011 – die »deutschen Zustände« untersucht. Er wies dabei jedes Jahr erneut auf zwei gefährliche Entwicklungstendenzen hin: Zum einen denken zehn bis fünfzehn Prozent der Deutschen autoritär und anti-demokratisch. Das Gedankengut reicht bis hin zum Wunsch nach einem Führer. Zum anderen wächst seit vielen Jahren in der Mittelschicht die Welle der Entsolidarisierung an. Viele fürchten ihren eigenen Abstieg und versuchen, für sich zu retten, was zu retten ist. Die sozial Benachteiligten haben keine Lobby.

Wenn Angst in Wut umschlägt

In sogenannten normalen Zeiten spielen diese Gefühle in Wahlen keine große Rolle: Die Antidemokraten gehen – zumindest in den alten Bundesländern – einfach nicht zur Wahl. Doch derzeit leben wir nicht in normalen Zeiten.

Die Welt scheint von Gewalt beherrscht. Der Terror rückt näher. Millionen Menschen f

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