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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 4/2012
Ende eines Traums?
Die Zukunft der arabischen Revolution
Der Inhalt:

Gauck muss mehr sein als Revolutionär

von Friedrich Schorlemmer vom 21.02.2012
Joachim Gauck soll Bundespräsident werden. Der Bürgerrechtler muss zeigen, dass er nicht nur Freiheitspathos verbreiten kann. Ein Gastkommentar von Friedrich Schorlemmer
Große Erwartungen an Joachim Gauck: Erstmals soll ein Akteur der Friedlichen Revolution aus dem Osten Deutschlands  zum überparteilichen Bundespräsidenten gewählt werden (Foto: pa/Frey)
Große Erwartungen an Joachim Gauck: Erstmals soll ein Akteur der Friedlichen Revolution aus dem Osten Deutschlands zum überparteilichen Bundespräsidenten gewählt werden (Foto: pa/Frey)

Ein Akteur der Friedlichen Revolution aus dem Osten Deutschlands soll zum überparteilichen Bundespräsidenten gewählt werden: Joachim Gauck. Seine Popularität wird mit übergroßen Erwartungen verbunden: Er wird uns schon die Leviten lesen!

Das viele so beeindruckende Freiheitspathos Gaucks muss aber erst noch durch ein entsprechendes Engagement für Gerechtigkeit sekundiert werden, will er nicht nur ein Thema bedienen: Es reicht einfach nicht, Akteur der deutschen Revolution von 1989 gewesen zu sein, um einen guten Bundespräsidenten abzugeben.

Gauck muss soziale und grüne Themen aufgreifen

Die Freiheit braucht Regeln in Zeiten, in denen weltweit selbst mit Nahrungsmitteln spekuliert wird. Die Probleme im gegenwärtigen neoliberalen Weltsystem sind nicht zu übersehen, die ökologischen auch nicht. Wenn Joachim Gauck Präsident aller sein will, muss das Soziale und das Grüne an ihm erst noch erkennbar werden. Der Bundespräsident in spe wird mutig anstoßen und uns Deutschen geschickt vermitteln müssen, was heute national und international ansteht: der Umgang mit dem Klimawandel, das Ende des Ressourcenverschleißes, eine ethische Haltung zu den neuen Kriegen dieser Welt, Gerechtigkeit für Flüchtlinge und die »innere Integration« in Deutschland.

Leider blieb die Linke von vornherein aus der Konsenssuche um die neuerliche Besetzung des Amtes - nach zwei zurückgetretenen Bundespräsidenten aus CDU-Reihen - ausgegrenzt.

Warum die Ausgrenzung der Linken?

Warum? Gerade einem künftigen Präsidenten mit DDR-Erfahrung hätte an der inneren Einheit gelegen sein müssen, die auch diejenigen einschließt, die einem gescheiterten Gesellschaftsmodell angehangen haben - und diejenigen, die das gegenwärtige Gesellschaftsmodell grunds

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Kommentare
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Peter Voit
29.08.201218:05
Vor allem stände es diesem Präsidenten gut an, sich nicht in die Schar derer einzureihen, die wie Guttenberg und Wulff im Schafspelz auftreten und beteuern, auch nur ein Mensch zu sein. Oder "ein fehlerhafter Mensch", wie Gauck hören ließ. Widerlich, dieses scheinheilige Gehabe!
Georg Lechner
29.08.201218:05
Die Einbeziehung derer, die das gegenwärtige Gesellschaftsmodell hinterfragen - hier hat Friedrich Schorlemmer einen wichtigen Punkt angesprochen. Denn es ist fraglich, ob die politische Willensbildung den Mehrheitswillen der Bevölkerung widerspiegelt - ich denke nur an den Afghanistan - Einsatz, der aus machtpolitischem Kalkül erfolgte (siehe die Ausführungen von Hans-Ulrich Seidt in "Orient" 3/ 2004: "Eurasische Träume? - Afghanistan und die Kontinuitätsfrage deutscher Geopolitik").
Die Durchsetzung machtpolitischer Interessen ist nun einmal konträr zu den Herauforderungen der Zukunft (Klimawandel, ethische Haltung zu den Kriegen - tangiert auch "Panzer für Athen", Gerechtigkeit für Flüchtlinge,...).
Bernward Boden
29.08.201218:05
Warum wird jetzt schon jeder Satz auseinandergenommen, der von Agenten einmal notiert wurde? Mir wäre wichtiger, ob Gauck mit Organisationen und Finanzkreisen Abhängigkeiten hat, die ihn - ähnlich wie Wulff - an einer objektiven Amtsausübung hindern. Wer aber jemanden den Mund verbieten, oder wer arrogant über die Haltung eines über 70jährigen herziehen will, sollte lieber alte Menschen nicht wählen. Dann lieber eine junge Frau. Die darf alle Fehler dann noch machen.