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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 6/2016
Der neue Mensch
Jens Reich über Fluch und Segen der Gen-Medizin
Der Inhalt:

Der neue Mensch

von Jens Reich vom 23.03.2016
Optimal konzipiert und von allen Krankheiten befreit? Die Gentechnik soll es möglich machen. Ist das alles nur Zukunftsmusik? Nein, sagt der Wissenschaftler Jens Reich. Und beschreibt, vor welchen Herausforderungen wir stehen. Die Titelgeschichte im neuen Publik-Forum
Neues Leben entsteht: Ist das optimal konzipierte Kind schon bald Realität? »Ich selbst werde diese Zukunft nicht mehr erleben, aber meine Enkelkinder werden es«, sagt der Forscher Jens Reich. (Grafik: istockphoto/HYWARDS)
Neues Leben entsteht: Ist das optimal konzipierte Kind schon bald Realität? »Ich selbst werde diese Zukunft nicht mehr erleben, aber meine Enkelkinder werden es«, sagt der Forscher Jens Reich. (Grafik: istockphoto/HYWARDS)

Kein Zweifel, die Bioethik bietet in den kommenden Jahrzehnten viele Möglichkeiten für den Menschen der Zukunft. Die Entwicklungen werden immer rasanter – und dies, obwohl schon die vergangenen fünfzig Jahre von bioethischen Revolutionen geprägt waren.

Vor einem halben Jahrhundert wurde erstmals in wissenschaftliche Regie übernommen, was vorher der Natur überlassen oder nur mit allerlei unsicheren mechanischen Methoden versucht wurde: die Fortpflanzung des Menschen zu regulieren. Die Antibabypille erlaubt es seitdem allen Frauen, die das Medikament vertragen, ihre monatliche Fruchtbarkeit auf eigenen Entschluss hin einzuschalten, wenn sie ein Kind haben wollen.

Etwas länger als ein Vierteljahrhundert ist es her, dass mit Luise Brown das erste durch künstliche Befruchtung gezeugte »Retortenbaby« geboren wurde. Beide Verfahren, Fruchtbarkeitsregelung wie die assistierte Befruchtung in vitro (»in der Retorte«), sind heute Standardmethoden der Reproduktionsmedizin. Millionen von heute lebenden Menschen sind Wunschbabys nach geplanter Absetzung der Pille, Hunderttausende waren einst Retortenbabys, weil die Eltern medizinische Unterstützung in Anspruch nahmen, um durch künstliche Zeugung zu einem eigenen Wunschkind zu kommen.

Die ethischen und religiös motivierten Bedenken gegen diese Art von technischer Regulierung der Reproduktion von Menschen wurden anfangs sehr dezidiert vorgetragen. Im gesellschaftlichen Diskurs sind sie heute leiser geworden. Nur die katholische Kirche hält an der Ablehnung der künstlichen Gestaltung von Sexualität und Fortpflanzung fest. Die Enzyklika »Donum Vitae« von 1987 geht davon aus, dass elterliche Liebe, sexuelles Zusamm

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