Zur mobilen Webseite zurückkehren

Das Kapital des Papstes

von Wolfgang Kessler vom 01.01.2014
Die scharfe Kapitalismus-Kritik von Papst Franziskus ist so notwendig wie es die Bergpredigt vor mehr als 2000 Jahren war. Sein Schreiben »Evangelii Gaudium« ist ein Meilenstein. Gedanken zum Neuen Jahr von Wolfgang Kessler
Papst Franziskus lächelt; doch das viele Geld ist es nicht, was ihn glücklich macht: Er schaut auf die Menschen, nicht auf bedrucktes Wert-Papier. (Foto: Markus Mainka/Fotolia; pa/Spaziani)
Papst Franziskus lächelt; doch das viele Geld ist es nicht, was ihn glücklich macht: Er schaut auf die Menschen, nicht auf bedrucktes Wert-Papier. (Foto: Markus Mainka/Fotolia; pa/Spaziani)

Die harte Kritik von Papst Franziskus am Kapitalismus hat viele Beobachter schockiert. Sein Schreiben Evangelii Gaudium hat nicht nur Begeisterte, sondern auch Kritiker auf den Plan gerufen: Ist der Papst etwa Kommunist? Haben wir nicht den Kapitalismus des 19. Jahrhunderts längst sozial temperiert?

Die Antwort lautet: Natürlich herrscht – zumindest in Europa und Nordamerika – nicht mehr der alte Manchester-Kapitalismus. Allerdings wurde die viel gepriesene soziale Marktwirtschaft in den vergangenen zwanzig Jahren durch einen globalen Finanzkapitalismus abgelöst, der auch in Deutschland fast alle Poren der Gesellschaft durchdringt. Obwohl dieser Finanzkapitalismus 2008 fast zusammengebrochen wäre, traut sich kaum eine Regierung, ihn wirklich zu verändern. Auch von der Großen Koalition ist dies nicht zu erwarten. Deshalb kommt die Kapitalismus-Kritik des Papst zur rechten Zeit – wie einst die Bergpredigt von Jesus Christus.

Der Tanz um das goldene Kalb

Papst Franziskus ist von einer platten Systemkritik weit entfernt. Er räsoniert auch nicht als Quasi-Ökonom darüber, ob sich Angebot und Nachfrage leichter durch den Markt oder durch einen (sozialistischen) Plan in Einklang bringen lassen. Er kritisiert vielmehr die »Tyrannei des vergötterten Marktes« und die Herrschaft des Geldes. Kapital und Rendite seien längst zu Götzen geworden, die die Menschen beherrschten. Und nicht nur dies: Der Tanz um das goldene Kalb sei drauf und dran, menschliches Leben ganz zu ersetzen.

Wählen Sie Ihren Zugang und lesen Sie direkt weiter.

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für "Publik-Forum"-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen