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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 18/2020
Selbstbestimmt sterben
Sterbefasten – was es für alte Menschen und deren Angehörige bedeutet
Der Inhalt:

Am 14. Tag stirbt sie – friedlich

von Gunhild Seyfert vom 25.09.2020
Sterbefasten statt Sterbehilfe: Unheilbar krank möchte eine 79-jährige Frau nicht weiterleben. Sie hört auf zu essen und zu trinken, begleitet und umsorgt von ihrer Tochter. Ist der freiwillige Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit eine humane Form des selbstbestimmten Sterbens?
Wer stirbt, isst und trinkt nicht mehr. Ebenso ist es beim Sterbefasten. Es tötet nicht, aber es beschleunigt das Sterben. (Fotos: istockphoto/AureliasDreams; istockphoto/Raul Rodriguez Photography)
Wer stirbt, isst und trinkt nicht mehr. Ebenso ist es beim Sterbefasten. Es tötet nicht, aber es beschleunigt das Sterben. (Fotos: istockphoto/AureliasDreams; istockphoto/Raul Rodriguez Photography)

Die Arme der 79-Jährigen werden immer schwächer, bis sie schlaff und gelähmt von den Schultern herabhängen. Als sie auch ihre Hände kaum mehr bewegen kann, erhält Gisela Kujawa die Diagnose ALS. Eigentlich lebt sie gerne. Aber sie ist an Amyotropher Lateralsklerose (ALS) erkrankt, einer unheilbaren Krankheit, bei der die Verbindung des Nervensystems zu den Muskeln allmählich zerstört wird. Lähmungen am ganzen Körper, auch der Atemmuskulatur, sind die Folge. In den letzten Monaten ihres Lebens möchte Gisela Kujawa nicht als schwerer Pflegefall einem sie ängstigenden Leiden ausgeliefert sein. In dieser Situation fragt sie ihre Tochter Maren, ob es einen Weg gebe, wie sie bald sterben könne. Im Gespräch mit der vertrauten Tochter hört sie vom Sterbefasten.

Beim Sterbefasten hört man aus eigenem, freiem Entschluss auf, Nahrung zu sich zu nehmen, und trinkt auch nichts mehr. Angesichts einer oder mehrerer unheilbarer Krankheiten nimmt man so Einfluss auf den Zeitpunkt des Todes. Man hofft, sein körperliches und seelisches Leiden zu vermindern, und leitet aus eigenem Entschluss den Sterbeprozess ein. Weil das Wort »fasten« in gesundheitlichen und religiösen Zusammenhängen üblich ist, wird auch die neutral klingende Abkürzung FVNF – Freiwilliger Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit – verwendet. Dieser Verzicht fällt in dieser letzten Lebensphase im Allgemeinen nicht schwer, weil alte, kranke Menschen oft keinen Appetit und keinen Durst mehr haben. Wer sich auf den Weg des Sterbefastens begibt, stirbt innerhalb einer oder mehrerer Wochen, je nach Art der Erkrankungen, der körperlichen Verfassung und der Einschränkungen bei der Flüssigkeitszufuhr.

»Unsere Mutter lebte immer selbstständig, sie wollte nicht ins H

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Brigitta und Michael Meuser
16.10.202012:26
Ein wichtiger Artikel. In meiner Familie gab es einen sehr ählichen Fall (Alter, Grunderkrankung). Sie hatte auch entschieden "ich quäle mich nicht mehr", legte sich ins Bett und starb nach 1 Woche, friedlich. Die Begleitsymptome waren damals neu für mich, aber nichts Schlimmes (im Gegensatz zum quälenden Durchmachen der Krankheit mit schlimm voraussehbarem Ende). Seit dem weiß ich, dass dieses Recht jedes einzelnen Menschen, sein Sterben selbst zu steuern und zu bestimmen, elementar ist. Alle Einwände dagegen bedeuten nämlich nur, dass jemand ANDERES über das Leben des anderen bestimmen will. Im Voraus-Denken muss sich daher jeder die Frage stellen: an WAS willst Du irgendwann sterben (dürfen)? Wenn man gegen alles geimpft ist, jede Krankheit, jeden Herzinfarkt u.a. nicht zulassen will, dann entscheidet man sich für das Leben als Pflegefall. Die moderne Medizin hat langes Sichtum hervorgebracht (das es früher nicht gab), die Angst vor dem Tod befeuert und viele verdienen gut daran ..
Klara Gison
04.10.202008:33
Danke