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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 9/2020
Arbeiten und Leben nach Corona
Was wir aus der Krise lernen können
Der Inhalt:

Der Mensch muss Vorrang haben

von Wolfgang Kessler vom 17.05.2020
Die Corona-Krise deckt in vielen Ländern die Defizite im Gesundheitswesen auf. In Kliniken zählt Geld oft mehr als die medizinische Notwendigkeit. Das muss sich ändern.
(Zeichnung: Mester)
(Zeichnung: Mester)

Zugegeben, im Vergleich mit anderen Ländern haben sich die deutschen Krankenhäuser in der Corona-Pandemie gut geschlagen. Gleichzeitig macht die Krise aber auch die Fehlentwicklungen im deutschen Gesundheitswesen deutlich: Die Krankenhäuser müssen Gewinne erwirtschaften. Deshalb fiel es ihnen nicht leicht, lukrative Operationen für Corona-Patienten aufzuschieben. Seit Jahren stehen sie unter Spardruck. Deshalb fehlte es an Schutzkleidung und – vor allem – an qualifiziertem Personal auf den Intensivstationen. Die Versorgung mit Medikamenten ist gefährdet, weil Wirkstoffe nicht lieferbar waren. Diese Probleme können nicht als bloße Versäumnisse abgetan werden. Es sind die Folgen von grundlegenden Veränderungen des Gesundheitswesens in den vergangenen zwanzig Jahren.

Alles neu macht der Markt

Es begann Mitte der 1990er-Jahre. Damals öffnete die Politik den Gesundheits- und Pflegesektor auch privaten Anbietern. Sie stellte diese sogar gemeinnützigen Anbietern gleich. Ganz im neoliberalen Geist dieser Zeit setzte die Politik auf die Kräfte von Markt und Wettbewerb – in der Hoffnung, dass der Konkurrenzkampf um die knappen Mittel der Kranken- und Pflegekassen für möglichst preiswerte Leistungen zu möglichst geringen Kosten sorgen würde. Gesundheit und Pflege wurden zu Waren.

Von nun an hieß es überall sparen, sparen, sparen. Verschärft wurde die Entwicklung, als immer mehr Krankenhäuser (und insbesondere auch Pflegeheime) von privaten Konzernen, ja sogar von Finanzinvestoren übernommen wurden. Diese versuchten die Kranken- und die Pflegeversicherungen als sichere Finanzierungsquellen für ihre Gewinninteressen zu nutzen. Dabei kam ihnen die duale Finanzierung der Krankenhäus

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