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Preis: 24,95 €/ 43,90 CHF
Verlag: Kösel; 512 Seiten;
Bestell-Nr: 8501
ISBN: 978-3-466-36822-8
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KATHARINA CEMING
Ernstfall Menschenrechte
Dieses Buch ist Buch des Monats in Publik-Forum 13/2010. Norbert Copray rezensierte wie folgt:
Vorrang für den Machterhalt
Die Religionen nehmen die Menschenrechte oft nicht ernst
»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren«, heißt es in der Charta der Menschenrechte. Die Menschenrechte verdanken sich zwar auch christlich-jesuanischem Geist, mussten aber über Jahrhunderte gegen weite Teile der christlichen Kirchen erkämpft werden. Ohne die geballte Anstrengung freiheitlicher, nichtchrist?licher, humanistischer und antikirch?licher Gruppen hätten auch die Menschenrechtsbefürworter in den Kirchen keine Chance gehabt.
Die Theologin und Philosophin Katharina Ceming legt mit ihrer Studie das Ergebnis eines aufwendigen Prüfverfahrens vor: eine Art Religionen-Audit in Bezug auf die Menschenrechte »im Spannungsfeld religiöser Überzeugungen und Praktiken«. Das Ergebnis ist eine scharfe Mängelrüge. Denn bis auf liberale, humanistische und reformerische Minderheitengruppen in den Religionen und Kirchen können die Weltreligionen Judentum, Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus nicht damit aufwarten, weitgehend für Menschenrechte einzutreten und selbst umzusetzen; obwohl ihren kritischen Anhängern eine menschenfreundliche Deutung der Heiligen Schriften möglich ist. Für dieses Ergebnis unternimmt Ceming eine faktenreiche und argumentative Analyse. Sie untersucht in jeder Weltreligion das jeweilige Menschenbild, die Ethik, die davon abgeleiteten Rechte und Pflichten, die Entwicklung der Grundrechte, den Umgang mit der innerreligiösen Opposition und mit Verstößen gegen den Lehr- und Pflichtenkanon sowie die Stellung der Frau beziehungsweise das Geschlechterverhältnis.
Der überwiegend gut lesbare Text leistet kritische Aufklärung. Im über hundert Seiten umfassenden Anhang finden sich die Menschenrechtscharta, das »Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau von 1979« und ein ausführliches Personen- und Sachregister, sodass das Buch auch als Nachschlagewerk gut zu nutzen ist.
Im Streit um die allgemeine Geltung der Menschenrechte schlägt sich Ceming auf die Seite der Universalisten. Sitten und Bräuche könnten nicht schon deshalb, weil sie jahrhundertelang praktiziert worden sind, als ethisch unantastbar gelten. Die Entstehung der Menschenrechte im Westen sage nichts über deren Gültigkeit aus. Allerdings: »Dass sich unter dem Mäntelchen des Einsatzes für Menschenrechte und Demokratie von westlicher Seite oftmals handfeste wirtschaftliche Interessen verbergen, dass die Missachtung von Menschenrechten oftmals toleriert wird, weil wirtschaftliche Interessen mit Menschenrechten kollidieren, ist trauriges Fakt.«
Eine schockierende Erkenntnis ist: Der Umgang der römisch-katholischen Kirche mit den Menschenrechten vor allem in den eigenen Reihen hat etliche Berührungspunkte mit den orthodoxen und fundamentalistischen Gruppierungen im Islam. Beide stellen die Menschenrechte unter den Vorbehalt der eigenen Glaubensgemeinschaft.
Wenn also Menschenrechte den jeweiligen Eigeninteressen etwa des Machterhalts oder der Lehrtradition entgegenstehen, werden die Menschenrechte hintangestellt. In diesem Punkt verhalten sich Glaubensgemeinschaften mitunter nicht anders als Staaten mit wirtschaftlichen und geostrategischen Interessen.
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